In der Zeit vom 11. April 1969 liefern Willi Bongard in seinem Beitrag über den "Ex-Weisen aus dem Saarland" (Seite 30) und Diether Stolze in seinem Kommentar (Seite 25) ein Musterbeispiel dafür, wie Legenden entstehen und verbreitet werden; es handelt sich bei diesen Beiträgen um Berichte über das Ausscheiden Professor Stützels aus dem Sachverständigenrat.

Bongard stellt zunächst vorsichtig fest: "Der Ex-Weise aus Saarbrücken hüllt sich nach wie vor in Schweigen, weil er sich an das Beratungsgeheimnis des Paragraphen 10 gebunden fühlt." Dann allerdings lüftet er den Schleier etwas: "Wer genau zuhört, wenn er andeutungsweise" – (!) – "von den Gründen seines Rücktritts spricht, der muß" – (!) – "zu dem Schluß gelangen, daß er in rechtswidriger Form daran gehindert worden ist, seine abweichende Meinung zum Ausdruck zu bringen." Der Artikel von Diether Stolze, weiß es dann schon ganz genau und behauptet: "Wie Willi Bongard berichtet..,, ist Professor Stützel unter Druck gehindert worden, sein Minderheitsvotum abzugeben."

Weil der Vorsitzende des Rates in dem Bongardschen Beitrag selbst angegriffen ist ("Statt dessen hält es der Vorsitzende des Rates in Verkennung des vom Gesetz formulierten Auftrags offenbar für opportun, nach außen hin den Eindruck einer geschlossenen Front zu erwecken und auf diese Weise Politik zu machen ...") und weil Professor Giersch ein besonderes Verhältnis zu Professor Stützel hat (vergleiche den Beitrag Bongard) und mit Stützel in derselben Fakultä: lehrt, halte ich mich als Mitglied des Rates, daß dem Rat seit dessen Bestehen (Januar 1964) angehört, im Einvernehmen mit Dr. Schäfer, der dem Rat seit Anfang 1968 angehört, für verpflichtet, ein für allemal die falsche Darstellung, wie sie die ZEIT offenbar in völliger Unkenntnis der wirklichen Vorgänge gibt, richtigzustellen und damit die Stützel-Legende, wenn ich so sagen darf, zu zerstören, wie sie sich auch den drei anderen Mitgliedern des Rates darbieten.

Ich weise damit gleichzeitig für alle vier Mitglieder den unerhörten Vorwurf, rechtswidrig gehandelt zu haben, und für den Vorsitzenden des Rates den Vorwurf, er habe in dieser Eigenschaft opportun handeln und Politik machen wollen, in aller Form zurück:

1. Professor Stützel ist nicht – und schon gar nicht unter Druck – gehindert worden, ein Minderheitsvotum im Sinne des Gesetzes abzugeben. Sicher ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, daß sich Professor Stützels Unterschrift unter zwei Gutachten des Sachverständigenrates (66/67, 67/68) findet, in denen der Sachverständigenrat grundsätzlich Ausführungen zur Währungspolitik einstimmig niederlegte, die dann auch im letzten Gutachten (68/69) einmütig verabschiedet wurden.

2. Jedes Mitglied des Rates kann jederzeit in Aufsätzen oder in Vorträgen – wie es seit Bestehen des Rates auch oft geschehen ist und geschieht – seine persönliche Ansicht zu allen anstehenden Fragen äußern, wenn er sie nur als solche kennzeichnet. Von einem "Unterdrücken von Meinungen" (Stolze) kann allein aus diesem Grunde keine Rede sein.

3. Professor Stützel war im Juli 1968 Gelegenheit gegeben, in einem dem Bundeskanzler übergebenen Sondergutachten seine abweichende Ansicht zum Ausdruck zu bringen; so ist es geschehen. Der Rat kann dieses Sondergutachten nur mit Zustimmung der Bundesregierung, um die er nunmehr nachsuchen wird, veröffentlichen.