Die Abschaffung der politischen Freiheiten unter Duldung durch befreundete Länder war für die Griechen undenkbar. So muß man sich auch die abwartende Haltung erklären, die das griechische Volk im ersten Jahr der Diktatur eingenommen hat, da es einen entscheidend wirksamen internationalen Druck als selbstverständlich ansah.

Offensichtlich sind aber jetzt die Grenzen überschritten. Die Reaktion des Volkes und der gesunden Führungsgruppen wird sich in einer massenhaften Ausbreitung der Widerstandsbewegung gegen die Diktatur äußern. Ein Bild dieser Volkshaltung war die großartige Demonstration anläßlich der Beerdigung von Georg Papandreou. Vom selben Geist durchdrungen waren auch vor kurzem die Manifestationen der Studenten bei der Abschiedsvorlesung des entlassenen Dozenten für Strafrecht an der Athener Universität, G. Magigi.

Abgesehen von der Servilität einiger Universitätsprofessoren, abgesehen von einigen schmierigen Elementen der Wirtschaft und einer verschwindend kleinen Zahl unbedeutender Politiker der Vergangenheit, ist die Isolierung der Diktatur vollkommen. Die Kräfte des Zentrums und der Linken, die demokratische Rechte, die gesetzestreuen Mitglieder der Armee stehen einem Regime gegenüber, das sich nur halten kann, indem es den Staat auf allen Ebenen vergewaltigt hat.

Das griechische Volk hat, als fast ganz Europa nicht nur militärisch, sondern auch moralisch sich der Macht des faschistischen Kriegsapparats beugte, den ungleichmäßigsten Kampf seiner jüngsten Geschichte erfolgreich gekämpft. Es verteidigte Werte, die für ganz Europa gültig wurden. Es ist also selbstverständlich, daß die Griechen das heutige tragische Abenteuer ihres Landes als das Abenteuer ganz Europas verstehen und ihr Schicksal mit dem Schicksal Europas untrennbar verkettet sehen.

Es ist folglich selbstverständlich, daß die politischen, militärischen und wirtschaftlichen gesamteuropäischen Organe sich dieses Problem zu eigen machen. Heute fragen wir uns aber: Wird das System der vorgesehenen Sanktionen auf der ganzen Linie in Bewegung gesetzt oder werden sich die Vertreter Westeuropas mit Mahnungen und Halbheiten begnügen und das griechische Volk bei der Suche nach einem Ausweg aus seiner furchtbaren Lage allein lassen? Es ist gewiß, daß das griechische Volk auch dann, wenn es auf sich selbst gestellt bleibt, früher oder später seinen Weg zur Freiheit, auch wenn er mit Blut und Opfern verbunden sein wird, findet.