Wenn man bedenkt, daß auf der sowjetischen Seite eine riesige Organisation steht, nämlich der "Verband sowjetischer Gesellschaften für Freundschaft und kulturelle Verbindungen mit dem Ausland", in diesem Lande aber nur zwei Männer alle Arbeit geleistet haben, dann staunt man darüber, daß die Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion (UDGF) tatsächlich zustande gekommen ist.

Den beiden Männern, die alle Arbeit taten, Herbert Mochalski und Professor Eugen Kogon, stehen im Vorstand der Gesellschaft Frau Christa Zinn, die Gattin des hessischen Ministerpräsidenten, und der Staatsminister a. D. Harald Koch zur Seite. Präsident der Gesellschaft, die in der vorigen Woche in Wiesbaden ihre Gründung feierte, ist Professor Boris Rajewski, Direktor des Max-Planck-Instituts für Biophysik in Frankfurt am Main.

Der Festakt im kleinen Haus des hessischen Staatstheaters war ein eindrucksvolles Ereignis: Minister, Staatssekretäre, Abgeordnete, Gewerkschaftsvertreter, Kirchenleute, Enthusiasten – die drei Hauptredner: Nina Popowa, Präsidentin des sowjetischen Verbandes für Verbindungen mit dem Ausland, die mit einer fünfköpfigen Delegation aus Moskau gekommen war, ferner Staatssekretär Jahn vom Auswärtigen Amt und Botschafter Zarapkin.

Frau Popowa sprach über "die traditionelle Verbundenheit unserer beiden Kulturen, die weit in die Jahrhunderte zurückgeht". Sie sprach von Goethe, Lessing, Herder, Heine, von Kant und Hegel und sie zitierte Puschkin: "Er bracht’ aus Deutschlands Nebelräumen / die Früchte der Gelehrsamkeit, / des Geistes Glut..."

Auch der sonst so gestrenge Botschafter Zarapkin war versöhnlich gestimmt, er sagte – und dies hatte man eigentlich noch nie aus offiziellem sowjetischem Munde vernommen – "die sowjetischen Menschen wissen, daß die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung der Bundesrepublik aufrichtig nach der Herstellung dauerhafter, gutnachbarlicher Beziehungen zwischen unseren Ländern strebt...".

Der Botschafter erwähnte die Budapester Initiative der Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes und sagte, er sei fest überzeugt, daß "die Normalisierung der politischen Beziehungen zwischen der BRD und der UdSSR auf der Grundlage der vernünftigen Berücksichtigung der bestehenden Verhältnisse und der realen Situation, die infolge des Krieges und der Nachkriegsentwicklung entstanden ist, zur Festigung der europäischen Sicherheit und des allgemeinen Friedens wesentlich beitragen ... würde".

Staatssekretär Jahn, der ebenfalls von Frieden und Aussöhnung sprach, fand, daß die ungelösten Probleme zwischen den beiden Völkern vielschichtiger und die trennenden Gräben tiefer seien als je zuvor. Aber er versprach, unbeirrt und konsequent den Weg der Aussöhnung zu gehen, und warb darum, daß die andere Seite uns ein Stück entgegenkommen möge.