Das ist schön bei uns Deutschen; keiner ist so verrückt, daß er nicht einen noch verrückteren fände, der ihn versteht.

Heinrich Heine

Ludwig Renn

Als er seinen ersten Roman schrieb, "Krieg", 1928, ging eine nationalistische Welle durchs Land: Eine Nation suchte eine Niederlage in einen Sieg zu verklären, "Krieg" paßte den Heroenmalern gut ins Konzept. Zwei Jahre später schließt des Romans Fortsetzung, "Nachkrieg", mit dem autobiographischen Satz: "Sieben Jahre habe ich dieses Leben geführt, bis ich endlich den Weg zum Kommunismus fand." Vierzig Jahre hat der Preuße Arnold Friedrich Vieth von Golssenau seine Entscheidung durchgehalten, vierzig Jahre lang hat er unter dem Namen Ludwig Renn seine Überzeugung in sieben Romanen, zahlreichen Kurzgeschichten, Reportagen und Jugendbüchern niedergelegt. Die Nazis setzten ihn fest, er entkam; er kämpfte in Spanien in der internationalen Brigade und ging ins amerikanische Exil; 1947 kam er nach Deutschland zurück, in der DDR fand er seine schriftstellerische und politische Heimat. Zu seinem 80. Geburtstag am 22. April sagte DDR-Kulturminister Gysi über den Schriftsteller Ludwig Renn, er habe sich "durch ein Dickicht überlieferter Vorurteile, geistiger Blindheit und objektiver Unkenntnis Schritt für Schritt vorankämpfen" müssen, um als "Erfahrung eines langen kampferfüllten Lebens das Wissen um die Bedeutung der Macht und ihrer Bewahrung" zu erhalten. Das von der Republik vorbereitete Geburtstagsgeschenk, die Gesamtausgabe der Werke Ludwig Renns, wurde allerdings nicht termingerecht fertig.

Treu verbunden

Aus Dankbarkeit dafür, "daß er sich der Stadt Luzern seit Jahrzehnten treu verbunden fühlt und auch in Zukunft die Ausstrahlung der internationalen Musikfestwochen Luzern in die Welt gewährleisten wird", erhält Herbert von Karajan den Kunstpreis der Stadt Luzern für das Jahr 1969. Da die Stadt in diesem Jahr auf die Ausrichtung des üblichen "Anerkennungspreises" verzichtet, wird Karajan die gesamte für diesen Zweck zu Verfügung stehende Summe von 10 000 Franken ausgezahlt bekommen. Der Maestro, der, wie er in Salzburg sagte, "bald pleite" ist, wird die Fränkli vermutlich sogar dringend nötig haben.

Wolfsburger Kunstpreis