ZDF, Sonntag, 27. April: Sondersendung aus Anlaß des französischen Referendums

Am Ende einer Woche, die, in Höfers Frühschoppen, durch Bretholzens nimmermüde Verteidigung des Athener Gewaltregimes eingeleitet wurde – ein Vivat der Sache des Westens, ein gedämpftes Hoch den ägäischen Schirmern der Flanke, ein freundliches Wort für die Stacheldrahtmänner auf der richtigen Seite...

Am Ende einer Woche, in deren Verlauf Regisseur Peter Zadek die Münchner Räterepublik in ein Pop-Kabinett und Politik in comic-Komik verwandelte... am Ende der Woche sprach de Gaulle von feierlicher Desavouierung seiner Person, und feierlich war dann auch die Berichterstattung des Zweiten Deutschen Fernsehens über die Abwahl des Mannes, dessen großnasiges Bild hinter den Köpfen der Debattierenden schwebte.

Moderator von Hagen versuchte sich an einer Disposition im Stil des deutschen Schulaufsatzes, Gerhard Löwenthal im Pariser Studio verwechselte Diskussionsleitung und Kommentar, monologisierte drauflos, betete einen Rosenkranz der Platitüden herunter, sprach vom ungeheuren Stempel, den der General der Nation aufgedrückt habe – und sagte mit alledem nichts.

Die beiden Franzosen, Delcourt und Bourdet, spielten nur eine bescheidene Rolle. Bourdet wurde in der rüdesten Weise unterbrochen – und als er dann drankam und bescheiden nachfragte, wie denn das Thema noch laute, das man ihm vorgelegt habe, gab ihm Löwenthal, schwimmend und schwafelnd, ein Stichwort, das mitnichten das richtige war.

Der Betrachter am Bildschirm, der Höfer sechs Tage vorher ob seiner falschverstandenen Pluralismusauffassung gezürnt hatte (ist es wirklich notwendig, alle Unterschiede zu verwischen und das ja aber und nein wenngleich zur Maxime einer Ideologie zu machen, die, aufs Beste von vornherein verzichtend, dem Kompromiß den Charakter einer Prämisse verleiht?) ... der Betrachter am Bildschirm sehnte während der Löwenthalschen Rodomontaden den strengen Oberrichter Höfer herbei. Der nämlich hätte weniger selbst geredet und dafür vielleicht seine Kollegen aus Frankreich gezwungen, die gesellschaftlichen Momente der Abwahl, proletarische und bürgerliche Aspekte, ein wenig zu analysieren. Der hätte vielleicht sogar die komischen Züge des Vorgangs, das Schmollen des Vaters und die Rache der Kinder, des Königs Nacktheit und die ausgestreckten Finger an den Rändern der Straße gezeigt.

Gottlob, daß zwischendurch ein Film von Dieter Wolff über die KPF lief, Blauweißroter Kommunismus betitelt, in dessen Verlauf die Herren Grosser und Rovan Verbindliches über die Haltung der französischen Linken zu formulieren verstanden. Da wurde gezeigt: man kann auch im heiteren Plauderton, Persönliches in den Vordergrund rückend, aufklärerisch sprechen – und nicht in den Stil der Heldenbeschwörung geraten. Momos