Sehr selbstbewußt, ohne Scheu vor großen Worten präsentierte Professor Bernhard Timm, Vorstandsvorsitzender der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik AG in Ludwigshafen den Jahresabschluß 1968 seines Unternehmens. Obwohl in die Berichtszeit die spektakulärste Konzentration des Jahres fiel – die Übernahme der Wintershall AG mit 1,7 Milliarden Mark Umsatz, der allerdings erst 1969 in der BASF-Bilanz erscheint –, bezeichnete Timm 1968 als ein normales Jahr, dessen "Rhythmus und Dynamik uns auch für die Zukunft inspiriert".

Ohne – Hemmungen bekannte sich Timm zu einer aggressiven Expansion. Was die beiden anderen großen Unternehmen – Bayer und Hoechst – bei der Ausgründung aus dem IG-Farben-Komplex mitbekommen hätten, nämlich ein Netz von Tochter- und Beteiligungsgesellschaften, habe bei der BASF gefehlt.

Aus dieser Sicht wird verständlich, wenn Timm gelegentliche Kritik an der Kaufpolitik der BASF als unzutreffend abtut. Den Erwerb von 73 Prozent des Kölner Lackunternehmens Herbol bezeichnet er rundheraus als ein Beispiel für eine Ordnung der Lackindustrie. Im übrigen habe die BASF auch nach diesem Kauf auf dem Lackmarkt erst einen Marktanteil von 16 Prozent.

Auch die komplizierte Übernahme der Wintershall AG war in dieser Sicht ein folgerichtiger Schritt. Bernhard Timm: "Nur die BASF konnte diese Lösung anstreben, denn nirgends paßte die Rohstoff- und Verarbeitungsseite so zusammen wie gerade hier." Auch die Klage von drei Wintershall-Aktionären gegen das Umtauschverhältnis 10 Wintershall- gegen 9 BASF-Aktien ficht den BASF-Boß nicht an. Selbst wenn die Kläger gewinnen, wird sich auf Grund der Besitzverhältnisse an der Zugehörigkeit Winterhalls zur BASF nichts ändern.

Treffen die Prognosen Timms für das laufende Jahr zu, wird die BASF inklusive Wintershall Ende 1969 Hoechst überrundet haben. Mit einem Umsatz von etwa acht Milliarden Mark wird Ludwigshafen dann eine knappe halbe Milliarde vor den Hoechstern liegen. mh