Die biafranische Nothauptstadt Umuahia soll vorige Woche ganz in die Hand der nigerianischen Bundestruppen gefallen sein. Dafür befreiten die Biafraner am Wochenende Owerri, die fünftgrößte Stadt ihres Landes, von der Herrschaftder Zentralregierung. Dabei sollen 400 Nigerianer getötet und große Mengen an Munition und Waffen erbeutet worden sein.

Westliche Beobachter werteten die Eroberung Owerris als bedeutsames Ereignis. Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet von einer neuen Strategie der biafranischen Armee: Unterbrechung der immer längeren und anfälligeren Nachschubweg des Gegners, Belagerung und schließlich Eroberung der besetzten Städte.

Jedenfalls ist mit dem Fall Umuahias der Buschkrieg am Niger noch keineswegs entschieden. Seit Beginn der Feindseligkeiten vor 23 Monaten haben die Biafraner insgesamt dreimal ihre Hauptstadt gewechselt: Nach dem alten Zentrum Enugu, das am 5. Oktober 1967 verlorengegangen war, fiel die Ersatzhauptstadt Aba am 6. September 1968. Jetzt sind Regierungschef Ojukwu und seine Behörden von Umuahia nach Orlu umgezogen, ohne daß die Qualität der Verwaltung wesentlich zu leiden hatte.

Immer schwerer wog freilich das humanitäre Problem: Eine weitere Million Flüchtlinge muß inzwischen versorgt werden. In den letzten Wochen aber kamen die Nachschublieferungen des Roten Kreuzes und der kirchlichen Hilfswerke auf dem Flughafen Uli in einer nächtlichen Rekordrate ein: Das Rote Kreuz, das im März 2200 Tonnen pro Woche eingeflogen hatte, hat im April wahrscheinlich mehr als das Doppelte geschafft.