Rolf Krengel:

Profesor Dr. Rolf Krengel ist Abteilungsleitet Im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin und lehrt an der Freien Universität Berlin.

Die ZEIT hat mich gebeten, zu den in der Tat sensationellen Vorgängen Stellung zu nehmen, von denen erstmals am 11-, April (ZEIT Nr. 15) die Rede war. Ich muß gestehen, daß mir eine Meinungsäußerung schwerfällt, weil ich mich sowohl Herrn Stützel als auch den Herren Bauer und Herren seit Jahren freundschaftlich und kollegial verbunden fühle. Jedoch habe ich 1967/68 in einem anderen Beratungsgremium – der wissenschaftlichen Beratungskommission beim Senat von Berlin – selbst (zum Glück nur auf von vornherein absehbare Zeit) am eigenen Leib (und an der eigenen Seele) erfahren müssen, welches Maß an Sorgen und gelegentlichem Leid dem doch fast immer überdurchschnittlich sensiblen Wissenschaftler aus einem unscharf formulierten, unklar durchdachten Auftrag politischer Entscheidungsgremien erwachsen kann. Vielleicht macht diese Erfahrung mein Bemühen um Rat und Hilfe verständlicher.

Bei der über alle Zweifel erhabenen persönlichen Lauterkeit aller an dieser "Affäre" Beteiligten hat mich der Konflikt um die Arbeitsweise des Rates (gerade angesichts meiner eigenen Erfahrungen) restlos davon überzeugt, daß es höchste Zeit ist, das Gesetz über die Bildung eines Sachverständigenrates vom 14. August 1963 zu novellieren. In einer Besprechung des letzten Jahresgutachtens, die in diesen Tagen in Basel erscheinen wird, hatte ich ahnungsvoll geschrieben:

"Schwierig war von jeher und ist die Lage aber dadurch, daß der Rat von Gesetzes wegen immer noch etwas tun soll, was er nach wie vor überhaupt nicht kann. Im § 2 des Gesetzes ‚Über die Bildung eines Sachverständigenrates‘ vom 14. August 1963 heißt es, ‚der Sachverständigenrat soll Fehlentwicklungen und Möglichkeiten zu deren Vermeidung oder deren Beseitigung aufzeigen, jedoch keine Empfehlungen für bestimmte Wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen aussprechen‘.

Diese Aufgabe kommt der Quadratur des Zirkels gleich. Bedeutet die ausführliche Diskussion der fünf Strategien im letzten Gutachten nun lediglich eine Analyse der Lage und eine Warnung vor Fehlentwicklungen, oder beinhalten sie bereits Empfehlungen des Rates? Um genau diese exakt nicht zu beantwortende Frage ist es vor dem Währungspokerspiel vom November 1968 gegangen, genau diese Frage wird auch in Zukunft das Verhältnis Rat–Regierung belasten, ohne daß einer der auf beiden Seiten Beteiligten etwas daran ändern könnte, solange nicht das Gesetz von 1963 novelliert wird. Diese von der Logik erzwungene Novellierung wird nach Auffassung des Rezensenten immer dringender, sollen nicht die Gutachter am Sinn ihrer Arbeit verzweifeln."

Wie berechtigt diese Befürchtungen um die weitere Arbeitsfähigkeit des Rates waren, zeigt die jüngste Entwicklung. Folgende Fragen drängen sich auf: