Fettleibigkeit, heißt es, ist angeblich dem Schönheitsideal zuwider. Aber:

Erstens war es nicht immer so. Bei vielen orientalischen Völkern ist die Üppigkeit des Leibes ein Zeichen von Schönheit und Ehrwürdigkeit.

Zweitens: Wo und wann hat man schon streng nach den Idealen gelebt? Im zwanzigsten Jahrhundert werden die Ideale der Gerechtigkeit, Humanität, Moral, Freiheit verletzt – warum soll ausgerechnet das Schönheitsideal eine Ausnahme bilden?

Und drittens: Wer denkt die Schönheitsideale aus? Früher waren es die schwindsüchtigen, verhungerten Poeten, die eine Frau nur durch das Fensterchen im Souterrain gesehen haben. Jetzt machen es dicke, kleine, kahlköpfige Filmproduzenten bei einem üppigen Diner in einem teuren Restaurant. Ich verstehe nicht, warum wir die Opfer fremder Komplexe sein sollen.

Ärzte haben wissenschaftlich bewiesen, daß Fettleibigkeit nicht gesund ist. Mit Polizisten und Ärzten soll man nicht diskutieren, und ich habe auch nicht genug wissenschaftliches Material zur Verfügung, um ihre Behauptungen in Zweifel zu ziehen, Ich kann mich nur auf ein altes polnische; Sprichwort stützen: "Ehe der Dicke abmagert verhungert der Dünne."

Es gibt im Leben Viele Dinge, die nicht gesund sind, und doch verzichten wir nicht auf sie. Es ist viel gesunder, zu Fuß zu gehen, als in Autos zu fahren; es ist nicht gesund, in einer Fabrik zu arbeiten, und es ist nicht gesund, in einem Büro zu arbeiten; es ist nicht gesund, lange in der Nacht Bücher zu lesen und bis in den Morgen hinein in der Bar zu tanzen; Kino und Fernsehen schaden den Augen, das Leben in der Stadt schadet den Nerven. Das Leben an sich ist überhaupt nicht gesund, weil es garantiert zum Tode führt.

Das gesundeste Leben führten zweifellos unsere urzeitlichen Ahnen. Sie waren immer in der freien Natur, atmeten eine Luft, die nicht vor Ruß und Auspuffgasen vergiftet war, sie liefen mindestens zwölf Stunden am Tag zu Fuß und ernährten sich von kalorienarmen Wurzeln und Würmern. Und trotzdem starben sie jung.