Von H.-J. Deckert

Die heimische Erde wird größtenteils mit deutschen Geräten beackert. Die amerikanische Herausforderung hielt sich bis jetzt in Grenzen, auch wenn mancher Konkurrent am Abschleppseil von der Bahn gezogen wurde. Das Wettpflügen der Landmaschinen ist freilich noch lange nicht zu Ende; kaum ein anderer Markt ist so hart umkämpft. Geschicklichheit wird höher bewertet als das einfache Messen der Kräfte. Sonst hätte es die Nr. 1 aus den USA weiter bringen müssen als bis zum siebten Platz in der Bundesrepublik. Deere & Company, größter Produzent von Schleppern und Mähdreschern der Welt, macht in seinen deutschen Werken Mannheim und Zweibrücken seit zwölf Jahren Verlust.

In der Konzernverwaltung in Moline, Illinois, herrscht darüber kein allzu großer Kummer. Hatte der alte John Deere, als er 1847 eine Fabrik für Stahlpflüge gründete, bei seinen Mitbürgern als der tüchtigste aller Schmiede gegolten, so ist der jetzige Boß William A. Hewitt entschlossen, sich als internationaler Konzernschmied einen Namen zu machen. Er hat die Welt in zwei Zonen eingeteilt: erstens die USA Kanada und die südamerikanischen Länder, zweitens alles, was übrig bleibt.

Mit Zone Nummer zwei hapert es noch. Dort lahmt das Wappentier, der springende Hirsch, etwas auf der Hinterhand. Doch von der stolzen Höhe ihrer 1,2 Milliarden Dollar Umsatz entwerfen die Deere-Manager eine Zukunftswelt der Landwirtschaft: Den automatisierten Betrieb mit radargesteuerter Aussaat und ferndirigierten Ernteapparaten, die im 24-Stunden-Betrieb am Fernsehschirm kontrolliert werden. Ein Vierteljahrhundert Mißerfolg in einem kleinen Land mit winzigen Getreidefeldern ist kein Anlaufverlust, der dem Rockefeller-Freund das keep smiling auf den Lippen gefrieren ließe.

In Heidelberg, der Traumstadt aller Amerikaner, sitzt Francis T. McGuire als Statthalter für die Deere-Unternehmungen in Europa, Afrika und Nahost. Ursprünglich sollte wohl auch das Ostgeschäft von Deutschland aus in Gang kommen. Doch darum kümmerte sich der Big Boß aus Moline im vergangenen Jahr selbst, wenn auch ohne handgreifliche Ergebnisse.

Dieser Markt wartet ebenso auf Erschließung wie der Schwarze Kontinent und die Entwicklungsländer zwischen Mittelmeer und Persischem Golf. Auf die Zukunftsbedürfnisse jungfräulicher Böden ist Deere in der Tat gerüstet: McGuire kontrolliert eine Kapazität von jährlich 25 000 Schleppern in Mannheim, 6000 Mähdreschern in Zweibrücken 50 000 Motoren und 5000 Tonnen Baugeräten in Saran (bei Orleans), 7500 Strohpressen im burgundischen Arc-les Gray – von den Montagebändern in Getafe (bei Madrid) und in Nigel (Südafrika) nicht zu reden. Das Werk Mannheim mit 3500 Beschäftigten ist das Herzstück in diesem Verbund. Hier allein hat Deere seit 1958 schätzungsweise 350 Millionen Mark (Zweibrücken eingeschlossen) in Investitionen und Kaufpreise gesteckt. Die Rüstung für eine offensive und expansive Politik ist vorhanden. So ist es auch gemeint, wenn der Heidelberger Vizekönig auftrumpft: "Wir sind mit beiden Beinen hier."

Schließlich hat es Deere in Europa, neben den schwer zu verdrängenden Einheimischen, mit denselben Gegnern. zu tun wie daheim. Mit der International Harvester Company (IHC) aus Chikago, mit der kanadischen Massey-Ferguson Ltd. und mit der Landmaschinenabteilung, von Ford, die es indessen auf deutschem Felde auch nicht weiter gebracht hat. Die IHC hingegen ist hinter dem Marktführer Klöckner-Humboldt-Deutz zweiter in der Zulassungsstatistik.