Von Roll Diekhof

Münchens Bundesbahndirektor Helmreich suchte per Telephon Verständigung mit einem potentiellen Prozeßgegner, dem Rechtsanwalt Alfred Meier, der als Hausjurist die "kaukasischen Brüder" Anusch und Temur Samy – von Beruf Einzelhändler und Gastronomen – vertritt.

Klärende Worte schienen angebracht, um die Bundesbahn vor größerer Unbill zu schützen: Die Samys hatten die Bahnpolizei und drei Einzelhändler im Münchner Bahnhof angezeigt; die Bahnschutzleute wegen nachlässiger Dienstaufsicht, und die Händler wegen Verstoß gegen das Ladenschlußgesetz.

Im Münchner Hauptbahnhof wird, wie überall in Deutschlands Bahnhöfen, jeder Kunde auch nach dem gesetzlichen Ladenschluß um 18.30 Uhr bedenkenlos bedient. Das Gesetz wird grundsätzlich mißachtet: Es dürfte zu später Stunde eigentlich nur Reisebedarf und nur an Reisende verkauft werden.

Direktor Helmreich umreißt die Möglichkeiten, der Gesetzlosigkeit in den Bahnhofshallen entgegenzutreten: "Es ist uns mit einem noch so perfektionierten System nicht möglich, das zu kontrollieren."

Das wollen die Samys auch gar nicht. Sie haben nichts gegen den Handel in den Bahnhofshallen, wohl aber gegen das deutsche Ladenschlußgesetz, das allen Einzelhändlern, wenn sie nicht gerade in Bahnhöfen oder Touristenzentren ihren Handel betreiben, befiehlt, um 18.30 Uhr die Tür zu schließen.

Der Kleinkrieg mit der Bahn dient den Brüdern Samy dazu, im großen Krieg gegen das störende Gesetz Publizität zu gewinnen. Allerdings, nur Spaß soll es auch nicht sein. Die Sache soll, wenn nötig, bis zur höchsten Instanz durchgepaukt werden. Anusch Samy: "Ausnahmen gibt es nicht im Rechtsstaat."