Von Heinz Michaels

Am Anfang waren es nicht die Arbeiter, die eine Mitwirkung an der Unternehmensführung und an der Gestaltung der Wirtschaft forderten. Am Anfang waren es Gelehrte und Geistliche, die sich um eine Integration des Arbeiters in die Industriegesellschaft sorgten. Philosophische und ethische Motive gaben den Antrieb.

So verlangte schon 1834 der katholische Sozialphilosoph Franz von Baader eine ständische Vertretung der Arbeiter in Form von Arbeiterlandräten. Bereits ein Jahr später formulierte der Staatsrechtler Robert von Mohl seine Forderung, Arbeiterausschüsse zur Beschränkung der patriarchalischen Unternehmergewalt zu bilden. Und der Jesuitenpater Heinrich Koch verfocht damals die Meinung, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Betrieb eine Interessengemeinschaft bilden sollen, nach dem Vorbild einer großen Familie auf christlicher Grundlage.

Damit sind auch schon die wichtigsten Thesen angeschlagen, um die es auch heute, weit über ein Jahrhundert später, in der Diskussion um die Mitbestimmung noch immer geht.

Der Traum von der Wirtschaftsdemokratie ist alt, älter noch als die organisierte deutsche Arbeiterbewegung, die jüngst ihren hundertsten Geburtstag feierte. Als 1848 in der Frankfurter Paulskirche die deutsche Nationalversammlung zusammentrat, gab es den ersten politischen Versuch, eine Art Mitbestimmungsgremium zu schaffen.

Der Volkswirtschaftliche Ausschuß beriet damals den Entwurf einer Gewerbeordnung. Einige Abgeordnete brachten bei diesen Beratungen den Antrag ein, in den Betrieben Fabrikausschüsse einzurichten, die ein soziales Mitspracherecht haben sollten. Außerdem sollten Gewerbekammern als überbetriebliche wirtschaftsparlamentarische Körperschaften gebildet werden.

Die erste parlamentarische Behandlung der Mitbestimmung blieb ein historisches Intermezzo. Erst 67 Jahre später, mitten im Ersten Weltkrieg, fanden die Gedanken der Frankfurter Parlamentarier einen gesetzlichen Niederschlag.