Am Sonntag endete die dreitägige Jahresversammlung des Deutschen P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik in Mannheim mit einer Pressekonferenz.

Die Journalisten, die Mitglieder des PEN sind (und sie stellen, von Koch über Kaiser zu Krämer-Badoni, den aktivsten Teil der Mitgliedschaft), geraten da in eine schwierige Lage: Wie hart können die Fragen sein, die sie bei solcher Gelegenheit gewissermaßen an sich selber zu richten haben und die dann jedenfalls, als Generalsekretär des PEN, der Journalist Hans Schwab-Felisch beantworten muß?

Dürfen sie fragen, warum der Mannheimer Oberschüler, begierig, bei solcher Gelegenheit lebende deutsche Literatur lebendig zu erleben, von seinen Lesebuchautoren nur wenige sah? Und das liegt in diesem Falle nicht an den Lesebüchern!

Warum ist Siegfried Lenz nicht da? wurde ich gefragt, und: wo ist Heinrich Böll? wo ist Martin Walser? – von den noch Jüngeren, von Peter Handke und Martin Sperr nicht zu reden. Kommt Walter Jens nicht? Ist Uwe Johnson, ist Hans Magnus Enzensberger eigentlich Mitglied des PEN? Ein Oberschüler kann mehr fragen, als die zahlreichen PEN-Präsidenten, Ehrenpräsidenten, Vizepräsidenten antworten können.

Günter Grass immerhin: er war da, wenn auch nur einen Freitagabend lang, um (neben Carlo Schmid, Wilhelm Wolfgang Schütz, Rolf Schroers, Thilo Koch und Rudolf Krämer-Badoni) sein Wort zu sagen zu dem Diskussionsthema "Mit Ulbricht reden – und worüber?"

Obwohl präzisere Antworten auf diese Frage am gleichen Abend im Bonner Bundestag gegeben und vom Fernsehen übertragen wurden: die Diskussion darf als Erfolg verbucht werden, sie wurde von mehr als tausend Mannheimern und nach Mannheim Gereisten miterlebt, die das Auditorium maximum der Universität überfüllten.

Von Uberfüllung konnte keine Rede sein bei der zweiten, der Sonntagsvormittagsdiskussion im Mannheimer Nationaltheater. Leere gähnte, und nicht nur sie. Dabei ging es um "Die Autoren und die Meinungsfreiheit". Aber draußen feierte Mannheim, bei leichtem Aprilregen, ein Maifest mit einem Blumenkorso. Nur ein unverdrossenes Hundert von Wißbegierigen lauschte drinnen klugen und höchst kompetenten, freilich nicht kurzen Ausführungen des liberalen Ex-Oberlandesgerichtspräsidenten Richard Schmid und danach zehn auch nicht ganz kurzen Thesen des Rundfunkprogrammdirektors Fritz Brühl – wartete ungeduldig auf die angekündigte "Diskussion".