Die verzaubernde Wirkung des Horvathschen Märchenspiels ist zu einem beträchtlichen Teil der Göttinger Inszenierung von Helge Thoma (Regie) und Wolf Münzer (Ausstattung) zuzuschreiben. Sie hatten die konstruktive Idee, die sieben Szenen als Kapitel eines Bilderbuches anzulegen. Zwei Spielmänner, die bei Horváth nicht vorkommen, öffneten die Buchdeckel mit der Stückaufschrift, nachdem sie vor jedem Bild ein Lied aus Béla Bartóks Sammlung ungarischer Volkslieder vorgetragen hatten (Erich Röder und Andreas Firchow bekamen dafür wiederholt Szenenapplaus). Als Plafond diente ein spätgotischer Gardinenbogen. Auf dem schrägen Spielpodest ließen sich schnell auswechseln ein Thronsessel unter geschnitztem Baldachin, eine mittelalterliche Badstube, ein Wirtshaus und (an Stelle des Jagdschlosses) eine hölzerne "Hollywood-Schaukel", auf der König und Gräfin ihre große Nachtszene sprachen.

Nach der Uraufführung 1937 in Prag und einer Inszenierung 1954 am Wiener Volkstheater müßte die Göttinger Spielform dem "Dorf ohne Männer" endgültig zum Durchbruch verholfen haben.

Johannes Jacobi