An der Schwelle des Alters, für das er nicht geschaffen war, versagte sein Herz. Werner Friedmann war knapp sechzig Jahre alt, als er im Auto zusammensackte – nach getaner Arbeit, auf dem Heimweg von der Redaktion.

Daß Leidenschaft den Journalisten mache, dieses Wort, sein Wort, hat er selbst wahrhaft erfüllt. Er war einer, der sah, der beschrieb, der bewegte – die mönchische Zucht einsamen Denkens lag ihm nicht. Der blitzenden Reportage viel eher als der tiefgründigen Analyse galt seine anregende Bewunderung.

Ein halbes Jahr nach Kriegsende wurde Werner Friedmann einer der vier Herausgeber der "Süddeutschen Zeitung", als Chefredakteur lenkte er das Blatt von 1951 bis 1960. In den neun Jahren, die folgten, machte er – wiederum als Herausgeber und Chefredakteur – die "Abendzeitung" zum besten Boulevard-Blatt deutscher Sprache.

Sein Leben war in München eingebettet; um keinen Preis der Welt hätte er das Verlagshaus in der Sendlinger Straße verlassen wollen. Aber die beiden Zeitungen, die er machte, fanden – durch journalistischen Glanz und kämpferische Liberalität – immer mehr Gehör, auch außerhalb Bayerns.

Werner Friedmann hat nicht nur geschrieben und redigiert – er war auch ein fordernder Lehrer. In der Journalisten-Schule, die er schuf, wurden viele gute Federn gespitzt. Dem Handwerk, der Präzision galt seine Liebe, der inhaltslosen Schaumschlägerei seine Verachtung.

Verließ er den Schreibtisch, war er ein faszinierender Plauderer; sein Charme setzte ihn in den Mittelpunkt einer jeden Menschenrunde. Aber seine Freunde spürten – und seine Feinde bekamen es zu spüren –, daß hinter der sprühenden Jovialität Ecken und Kanten verborgen waren. Er gehörte nie zu denen, die mit sich selbst und der Welt behaglich im reinen waren. Die Spannung hat ihn nie verlassen – und so ist er an seiner Kraft zerbrochen. H. G.