Von Joachim Wagner

Berlin

Für schmutzige Prominentenwäsche hat die Waschmittelindustrie noch nichts erfunden. Hier versagt der "Weiße Riese". Und auch die 9. Zivilkammer des Landgerichts Berlin schaffte es nicht, dem gerade gute hundert Tage amtierenden Berliner Polizeipräsidenten Klaus Hübner, ehemals SPD-Bundestagsabgeordneter und Geschäftsführer der Polizeigewerkschaft, die befleckte Weste zu säubern.

Zuerst schien es so, als ob Klaus Hübner als strahlender Sieger die Kampfesstätte verlassen würde, denn es gelang ihm zunächst, eine einstweilige Verfügung gegen den früheren Pressereferenten der Polizeigewerkschaft und jetzigen Redakteur der Düsseldorfer Nachrichten, Helmut Locher, zu erwirken. In ihr wurde Locher bei Strafe verboten, den Polizeipräsidenten als "Präsident im Adamskostüm" zu bezeichnen; er dürfe auch nicht behaupten, Hübner habe "textilfreie Partys" gefeiert, dabei seinen Untergebenen Aktphotos von sich und seiner Eva gezeigt. Diese Verfügung, gegen die Redakteur Locher Widerspruch eingelegt hatte, wurde jetzt vom Landgericht aufgehoben.

Das gerichtliche Vorspiel reicht in das Jahr 1964 zurück, Hinterhaustreppenstil bestimmte das Geschehen. In jenem Jahr sollen sich Hübner und Frau im Paradieszustande ihren Gästen präsentiert und sie zum Mitspiel aufgefordert haben. Von einer durchsichtigen Bluse auf einer Weinkellerparty war die Rede und von Aktphotos, die er damals seinen Mitarbeitern gezeigt haben soll.

Alles dies blieb Jahre dort, wo es hingehörte – in der Privatsphäre der Beteiligten. Als Hübner dann aber zum Polizeipräsidenten von Berlin avancieren sollte, wurden die Heckenschützen munter. Aus welchen Motiven, ob aus Neid oder aus Sorge um das öffentliche Wohl, wer weiß es. So empfing der Mannheimer Polizeipräsident Stümper ein anonymes Schreiben mit einem Bericht über Hübners Party-Vergangenheit. Und Locher, ehemaliger Zechkumpan Hübners, ließ einem Journalisten und dem Berliner Innensenator Neugebauer Informationen zukommen. Der nach Berlin zitierte Hübner stellte die Behauptungen als Verleumdung dar. Da Locher auf ein Schreiben von Senatsdirektor Ulrich ebenfalls keine konkreten Angaben machte, vertraute der Innensenator dem Dementi seines zukünftigen Polizeioberen. Nichts stand einem Amtsantritt mehr im Wege.

Über die Angelegenheit begann Gras zu wachsen, bis der stern von den fraglichen Partys Wind bekam. Er interviewte Hübner, um ihm Gelegenheit zu geben, sich reinzuwaschen. Es handele sich um eine "Verleumdung aus Neid und Mißgunst", erklärte er gegenüber dem Hamburger Magazin. Dies rief nun den Kronzeugen Locher endgültig auf den Plan. In einem Artikel, der in den Düsseldorfer Nachrichten erschien, zerrte er die ganze Geschichte ans Licht.