Meine Erwiderung auf den Artikel des Arbeitskreises "Kultur und Revolution" ist erzwungen: Ich halte es für unangemessen, in einen Zusammenhang gerückt zu werden, der auf Grund meiner vorliegenden Arbeiten auf keinen Fall eine derartige Bedeutung ausstrahlen kann. Der Artikel betreibt einen Personenkult, der meiner Position als Regisseur widerspricht: eine Position, aus der sich Zur Zeit noch kein Programm machen läßt.

Aus dieser Feststellung müßte die Redlichkeit resultieren, nicht zu erwidern und damit den Artikel zu verhindern. Da aber mir dies wiederum als Feigheit oder Unterdrückung von Kritik vorgeworfen würde, werde ich genötigt, mich gegen eine Höhe zu stellen, in die ich gezogen werde. Dies ist eine eindeutige Manipulation derjenigen, die mir Manipulation vorwerfen.

Die Person wird zum Objekt gemacht. Dadurch wird nicht nur sie behindert, sondern vor allem der Ausgangspunkt, das Theater, in dem sie sich objektivieren müßte, übergangen.

Ich habe mit 28 Jahren etwa 30 Stücke inszeniert. Ich bin in folgenden Städten engagiert gewesen: Luzern, Trier, Krefeld, Heidelberg. Die mir vorgeworfene Karriere hält sich also in durchaus überschaubaren Grenzen.

Nun aber bahnt sich folgende Entwicklung an: die einen wie die anderen übertragen ihre jeweiligen kontrastierenden Absichten und Forderungen derartig vielgestaltig in meine Arbeiten, bis sich – unabhängig von mir und meinen Produkten – selbständige ideologische Interpretationen ergeben.

Zum Beispiel: während ich für die CDU "Staatsgefährdendes" treibe, bin ich für die Linke "Handlanger eines unfreien Systems, der, um frei inszenieren zu dürfen, bereit ist, jeden Kompromiß einzugehen. Meine Provokationen sind harmlos. Es ist bezeichnend für meinen verbindlichen Regiestil, daß er jede Aggression augenblicks wieder zurücknimmt. Meine Arbeiten repräsentieren einen Aspekt der internationalen Pop-Bewegung."

Im Gegensatz zur Linken konkretisieren wir uns nicht in einer Betrachtungs-, sondern in einer Handlungsweise. Diese setzt präzise Mittel voraus. Woher nehmen wir sie? Da sich Theater nur mit unserer Wirklichkeit beschäftigen kann, bezieht es sie folgerichtig daraus. Mit dem Aufgreifen dieser realistischen Mittel ist nicht etwa die Dienstbarkeit "zu etwas" ausgedrückt, sondern im Gegenteil gerade die Analyse und Kritik "über etwas". Während Horten durch die Nur-Ausstellung von Industrieprodukten deren Reiz so zu verengen sucht, daß das Publikum sich gezwungen sieht, sie sich einzuverleiben, benutzt unser Theater diese Absichten, um sie zitierend zu zerstören. Es schafft damit Distanz, provoziert Kritik.