Der amerikanische Steinkohlen-Bergbau freut sich aufein Geschäft mit den Stahlkonzernen der Europäischen Gemeinschaft. Wenn – so folgert man in den Zechenkontoren jenseits des Atlantiks – die Stillegungen im europäischen Bergbau im eingeschlagenen Tempo fortgesetzt werden, dann sind die Stahlerzeuger des Gemeinsamen Marktes eines Tages gezwungen, ihren Bedarf an Kokskohle in den USA zu decken.

Für die Stahlindustrie bleibt die Kohle auf absehbare Zeit des wichtigste Brennstoff. Doch nach den Vorausschätzungen der EWG-Kommission werden es die bis 1980 noch fördernden vier Bergbau Reviere des Gemeinsamen Marktes in der Tat schwer haben, der. Bedarf der europäischen Stahlerzeuger voll zu decken.

In den amerikanischen Exportrevieren, die sich auf ein solides Polster von acht Milliarden Tonnen anbaufähiger Kohle stützen, spekuliert man auf die Unlust der Europäer, die Kohlenproduktion weiterhin zu subventionieren. Europas Kokereien sind zudem hoffnungslos veraltet, und der schrumpfende Bergbau hat andere Sorgen als neue Koksöfen zu bauen.

Die Subventionen der Kokskohle mit 1,70 Dollar je Tonne, die vor zwei Jahren zugunsten der Stahlindustrie des gemeinsamen Marktes erfunden wurde, hat zu der mißlichen Situation beigetragen. In den nächsten Wochen soll sich der Ministerrat entscheiden, ob die Subventionen weiter gezahlt werden sollen oder nicht.

Die Amerikaner sind sicher, daß die Europäer in jedem Fall kommen werden. Gestützt auf Förderkosten von 5,1 Dollar je Tonne Kohle gegenüber 17,50 Dollar im Durchschnitt der europäischen Reviere – die Streuung reicht von 14 bis 24 Dollar – kann ihnen die Reise über den Atlantik nichts ausmachen. nmn