Berlin Vom 6. bis 8. Mai, Galerie Gerda Bassenge: "Versteigerung Alte und Neue Kunst"

Alte Druckgraphik in der üblichen Menge und Qualität. 18 Dürer-Blätter, darunter die "Melancholie" für 12 000, der "Dudelsackpfeifer" für 5600 Mark, wichtige Blätter von Breughel und Callot. Ein exzellenter Druck von Rembrandts "Adam und Eva" wird auf 17500, der "Eulenspiegel" auf 600 Mark geschätzt. Im neunzehnten Jahrhundert wird das Angebot viel differenzierter: Romantikerzeichnungen, Schnorr von Karolsfeld, Schwind, Oliver, aus Frankreich Zeichnungen und Aquarelle von Außenseitern, die noch immer billig zu haben sind, aber auch große Namen, eine farbige Zeichnung von Corot (14 000 Mark), eine "Kokotte" von Guys (3450 Mark). In der Graphik des zwanzigsten Jahrhunderts dominieren Beckmann, Corinth und die Kollwitz. Es folgen vom 8. bis zum 10. Mai Bücher und Autographen mit einer Sonderabteilung Dadaismus, Surrealismus und Verwandtes, Arp, Breton, der Dada-Almanach von 1920 sowie die ersten sechs Hefte der radikalen und kurzlebiger! Zeitschrift Die Pleite.

Köln Wallraf-Richartz-Museum: "Kunst der sechziger Jahre – Sammlung Ludwig"

Während die Museen nur zögernd, gegen innere oder äußere Widerstände die Schwelle zur Aktualität überschreiten, hier einen Rauschenberg, dort einen Stella ins Vorhandene eingliedern, kann Köln "Kunst der sechziger Jahre" en bloc präsentieren. Mit der Sammlung Haubrich bekam das Wallraf-Richartz-Museum 1946 das Fundament für seine moderne Abteilung, die Sammlung Ludwig als Dauerleihgabe garantiert ihm auf Jahre hinaus die Führungsposition für Kunst der Gegenwart. Eine exzeptionelle Sammlung – schon das Tempo, in dem sie entstanden ist, wirft alle Vorstellungen vom organischen Wachsen, Suchen, Aufspüren, Warten auf die günstige Gelegenheit über den Haufen. Es geht auch anders, es geht sogar erstaunlich gut, wenn man Geld hat und rasch entschlossen ist. Ein ganz neuer Sammelstil, ein ganz neuer Typ des Privatsammlers, der auf persönlichen Besitz keinen Wert legt, der für die Allgemeinheit arbeitet und eine Funktion übernimmt, die eigentlich dem Museum zukommt. Der eigene Geschmack, individuelle Vorlieben sind weitgehend ausgeschaltet (die Sammlung Hahn, im Sommer 1968 in Köln ausgestellt, war nicht so wichtig, aber das Ergebnis persönlicher Entscheidungen und Passion). Der Akzent der Sammlung Ludwig liegt eindeutig bei der amerikanischen Pop Art: achtmal Lichtenstein, viermal Rauschenberg, dazu Warhol, Wesselmann, Indiana, die "Large White Numbers" von Jasper Johns (eine Pop-Inkunabel), zwei Segal-Gruppen, die auf der letzten documenta zu sehen waren. Am documenta-Konzept, leicht modifiziert durch den amerikanischen und deutschen Kunsthandel, ist die Sammlung in großen Zügen orientiert. Für diese normierte Aktualität sind Albers, Antes, Arman ebenso unerläßlich wie Stella, Lindner und Donald Judd. Das ist heute wie mit der Ecole de Paris in den fünfziger Jahren. Dagegen sind große und wichtige Komplexe in der Kunst der sechziger Jahre, wie Kinetik und Environment, in der Sammlung nicht vertreten.

Weiterhin im Programm:

Hamburg Bis zum 26. Mai, Kunstverein "Malerei des Surrealismus"

Was die Ausstellung an großartigen Beispielen dokumentiert: daß der Surrealismus in den zwanziger Jahren eine Sternstunde hatte. Was ihr nachzuweisen nicht gelingt: daß Surrealismus eine generelle künstlerische Alternative darstellt, die sich in allen Epochen der Vergangenheit, aber auch in der Gegenwart manifestiert.