Ist der Fall Grashey nun aus der Welt? Dadurch, daß die Abgeordneten im Bonner Verteidigungsausschuß die vehementen Angriffe des stellvertretenden Heeres-Inspekteurs gegen die "Innere Führung" und das Amt des parlamentarischen Wehrbeauftragten bedauert haben?

Die Ausschußmitglieder, die sich sonst mit so viel Eifer zu Experten des Starfighter und der Phantom, der Panzer und Korvetten aufwerfen: auf urpolitischem Felde versiegt ihr Elan. Sie unterwarfen sich im Fall Grashey der Räson des Wahljahres und entledigten sich nach anfänglicher Entrüstung nur noch einer parlamentarischen Pflichtübung. Die einen fürchteten, der NPD Soldaten in die Arme zu treiben, die anderen, dem Verteidigungsminister Ungelegenheiten zu bereiten.

Wie soll da, wo schon der Bundestag nur lau für seine Überzeugung einzutreten wagt, der innere Zwiespalt der Armee überwunden und dem gesellschaftspolitischen Konzept für die Bundeswehr zu größerer Anerkennung verholfen werden? Nie hat der Bundestag seinen Anspruch aufgegeben, auf die innere Verfassung der Armee einzuwirken. Aber der Anspruch ist hohl, die Parlamentarier selbst lassen ihn verkümmern. Im Fall Grashey haben sie ihn bis zur Selbstentäußerung preisgegeben. -r