Die Russen sind harte Verhandlungspartner, auch wenn es um Geschäfte geht. Jeder deutsche Exporteur schätzt ihre Pünktlichkeit beim Zahlen, fürchtet aber ihre Härte, wenn es um das Aushandeln des Preises geht.

Frühzeitig genug, seit ungefähr einem dreiviertel Jahr, haben die Russen in vielen Fällen das durchgesetzt, was den Käufern deutscher Waren in der westlichen Welt lange nicht glückte: den Einbau einer Goldklausel in die Lieferverträge, um sich gegen Verluste aus einer möglichen Aufwertung der D-Mark zu schützen.

Der geforderte Passus besagt, daß die Russen bei einer Erhöhung des Goldgehaltes der D-Mark (Aufwertung gegenüber dem Dollar) entsprechend weniger D-Mark zahlen müssen. Mit anderen Worten, die Russen vollen, ohne Rücksicht auf eine Aufwertung, nur mit einem bestimmten Goldbetrag zahlen.

Die Sowjets haben mit ihrem Ansinnen Erfolg gehabt, weil de Hermes Kreditversicherung, die im Names des Bundes deutsche Exporte "versichert", diesen Passus zugelassen hat. Freilich nur in der Form, daß die Golcklausel in beiden Richtungen, also auch für den theoretischen, aber kaum wahrscheinlichen Fall einer D-Mark-Abwertung Anwendung findet.

Bisher ist nicht bekannt, ob dieses Beispiel bei anderen Abnehmern deutscher Waren schon Schule gemacht hat. Als organisierte staatliche Einkäufer können die Russen eine Art Nachfragemonopol ausnutzen, was einem privaten westlichen ausnutzen, nur selten gelingt.

Im Gegenteil: Obwohl die ausländischen Käufer in den vergangenen Monaten immer wieder eine Aufwertung befürchten mußten, setzten die deutschen Verkäufer in wachsendem Maße eine Fakturierung in D-Mark durch, um sich selbst gegen Aufwertungsverluste zu schützen. Ganz abgesehen davon, daß die D-Mark heute als Handelswährung unter Drittländern benutzt wird, wie der Dollar oder auch noch das Pfund.

Allerdings – die deutschen Exporteure können keineswegs immer das Aufwertungsrisiko auf ihren Kunden übertragen. Schon oft sind sie gezwungen ihre Lieferverträge in Dollars oder Pfunden abzuschließen.

In diesen Fällen bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich ihre künftigen Devisenerlöse rechtzeitig durch Termingeschäfte zu sichern. Das kostet Geld. Denn im Hinblick auf eine mögliche D-Mark-Aufwertung können Devisen "per drei Monate" oder mehr nur mit einem Abschlag verkauft werden. So gesehen hat die Spekulation schon Fakten geschaffen. Fakten, die eine Minderung der deutschen Exporterlöse bedeuten. my