Von Markus Windström

Im Bremer Ratskeller, wo einst der Erzähler Wilhelm Hauff phantastische Visionen hatte, verbreitete sich kürzlich ein 1,90 Meter großer Amerikaner über die phantastischen Deutschen: "Sie haben eine so gute Währung, eine so prächtige Zahlungsbilanz und eine hervorragende Wirtschaftsposition. Deshalb ist Westdeutschland auch unser Hauptbetätigungsfeld. Wir spielen in diesem Land eine führende Rolle."

Der Lobsprecher James Roosevelt, prominentester Diplomat des Geldanlagetrusts Investors Overseas Services (IOS), Panama, hatte sich mit einem Privatjet von Genf nach Bremen fliegen lassen. Dort erwarteten ihn 120 Manager des Investmentgeschäftes, darunter Victor Emanuel Preusker, Geschäftsführer der IOS-eigenen Orbis-Bank, und der frühere Inspekteur der Bundeswehr Josef Moll, der neben Erich Mende die deutsche IOS-Gesellschaft repräsentiert. Roosevelt bestellte Grüße vom obersten Boß Bernard Cornfeld, der gerade in Mexiko eine neue Tochterfirma zeugte, und pries ihn im gleichen Atemzug: "Was immer über Bernie Cornfeld gesagt wird, er ist allen anderen immer um zehn Jobs voraus."

Der ehemalige Sozialfürsorger Bernie Cornfeld spielt zur Zeit sehr hoch: er sucht sich seine Kunden sogar in der kommunistischen Welt. Unlängst reisten seine Sonderbotschafter James Roosevelt und Eric Wyndham White, früherer Generalsekretär des General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) – heute im Dienste der IOS –, nach Jugoslawien. Die beiden Starmanager besprachen mit Titos Staatsbankiers und Finanzexperten ein Kooperationsprogramm, das "zur Lösung einiger jugoslawischer Probleme beitragen soll".

Darüber berichtete Roosevelt in Bremen: "Wir mußten uns in Belgrad erst eine Stunde lang einen Vortrag über die Vorteile des Sozialismus anhören, aber dann waren unsere Gesprächspartner, darunter auch Regierungsmitglieder, ganz Ohr für unsere kapitalistischen Vorschläge. Wir haben fünf Gebiete abgesteckt, auf denen wir helfen können. Die IOS-Immobiliengesellschaft Indevco soll sich an der touristischen Erschließung der Adria-Küste südlich der Bucht von Kotor in Montenegro beteiligen und dort Hotelbauten und Ferienbungalows finanzieren. Außerdem kann unsere Gesellschaft die Maschinenparks für den Straßenbau und die Verbesserung der Infrastruktur stellen."

Weiterhin will Cornfeld in Titos Reich moderne Ferien-Hochhäuser errichten und die Appartements dann an Ausländer verkaufen. Bisher war die Belgrader Regierung bei der Ansiedlung westlicher Adria-Freunde allerdings sehr zurückhaltend.

Noch mehr liegt dem IOS-Chef an der Gründung eines Investmentfonds speziell für jugoslawische Gastarbeiter in den verschiedensten europäischen Ländern. Diese Idee fiel in Belgrad auf fruchtbaren Boden. Sie geht davon aus, daß Millionen Jugoslawen, die in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in den skandinavischen Ländern arbeiten, nur wenig Geld nach Hause schicken. Ihren Arbeitsverdienst legen sie vorwiegend in Konsumgütern und Sparguthaben an.