Auf ihrem Gipfeltreffen in Moskau haben die acht Mitgliedstaaten des Comecon demonstrativ ihre Einigkeit betont. Der Ostblock-Wirtschaftsgemeinschaft gehören die Sowjetunion, Polen, die DDR, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die ČSSR und die Mongolei an. Dem speziellen Ziel einer wirtschaftlichen. Integration, das vor allem die Sowjets und die Polen anvisiert hatten, kamen sie indessen nicht näher.

Nach einer offiziellen Wirtschaftstagung und einem politischen Geheimcolloquium wurde am Wochenende ein Kommuniqué veröffentlicht, das die umstrittenen Punkteder Tagesordnung ausklammert oder nur vage behandelt. Die besonders von den Rumänen befehdete Integration wird nicht einmal erwähnt, die Mitgliedsländer sollen nur "je nach Notwendigkeit" internationalen Organisationen zur Förderung der technisch-wissenschaftlichen Kooperation beitreten. Die Beziehung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit soll weiter grundsätzlich diskutiert und zu einer Zukunftsperspektive gebündelt werden.

Fest steht lediglich, daß das Comecon außer der kritisierten "Internationalen Bank für wirtschaftliche Zusammenarbeit der sozialistischen Länder" noch extra eine Investitionsbank gründen wird. Von einer Koordinierung der Volkswirtschaftspläne und einer vollen Konvertierbarkeit aller Ostblockwährungen ist nur verschwommen die Rede.

Wie schon auf der letzten Comecon-Sitzung 1966 in Bukarest haben sich auch diesmal besonders die Rumänen allen Tendenzen zu einer supranationalen Struktur widersetzt. Ihre Gesinnungsgenossen aus Budapest und Prag agierten freilich zurückhaltend: Der ungarische Parteichef Kadar soll sich als Vermittler betätigt haben, sein tschechoslowakischer Kollege Husak mußte Rücksicht nehmen auf die sowjetische Besatzungsmacht daheim.

Angeblich hat der Nachfolger Dubčeks, dem die Gipfelkonferenz in Moskau demonstrativen Beifall spendete, mit dem Kreml über einen phasenweisen Abzug der Sowjets bis zur KP-Weltkonferenz am 4. Juni verhandelt und die Zusage für einen Wirtschaftskredit erhalten. Als Gegenleistung soll er einen innenpolitischen Kurs der Festigkeit im Kampf gegen antisozialistische Elemente versprochen haben.

Inzwischen hat die neue Prager Führungsgarnitur eine harte Propagandakampagne gegen die "opportunistischen Kräfte auf dem rechten Flügel" eröffnet. Das Parteiorgan "Rude Pravo" attackierte in einem Grundsatzartikel unter anderen den Schriftsteller Pavel Kohout. Unter dem Druck von oben schmolz letzter Widerstand: Der slowakische Stu-’dentenverband beschloß, der "Nationalen Front" beizutreten. Nur die tschechischen Studenten waren sich bei Wochenbeginn noch nicht schlüssig.