Medikamente wirken verschieden – je nachdem ob sie auf ein erregtes oder entspanntes Nervensystem treffen. Von dieser allgemeinen Regel sind nun eine Reihe neuerer anti-depressiv wirkender Psychopharmaka ausgenommen, die vielleicht schon bald um ein Präparat ergänzt werden, das vergleichbaren Mitteln überlegen ist.

AHR-1118, so lautet die Codebezeichnung dieses kürzlich synthetisierten Äthyl-Diphenylmethylen-Pyrrolidin-Präparats, zeigte das geforderte Selektionsvermögen: Einzelne psychische, emotionale Funktionen der Großhirnrinde werden gedämpft, ohne den Nachbarbereich des Bewußtseins störend zu beeinflussen.

Schon geringe Dosen, so ergaben Experimente, die drei Forscher der Robins-Forschungslaboratorien in Richmond (Virginia) mit Katzen ausgeführt haben, riefen eine merkliche Verlangsamung der elektrischen Gehirnströme hervor. Parallel dazu kam es zu einer Beruhigung nervösen Verhaltens und einer deutlich abnehmenden Bereitschaft der Gefühlszentren, auf emotionale Reize überempfindlich zu reagieren. Analysen aufgezeichneter Gehirnströme ergaben generell schwächere Reaktionen der Hirnrinde auf elektrische Reize.

Und ungleich anderen Anti-Depressiva unterdrückt AHR-1118 nicht die sogenannte REM-Phase im Schlaf der Versuchstiere, die der Traumphase des menschlichen Schlafs sehr ähnlich ist und für unser Wohlbefinden ausschlaggebend sein soll. P. J.