Bis auf die AEG haben nahezu alle großen deutschen Publikumsgesellschaften ihre Jahresabschlüsse für 1968 veröffentlicht. Überraschungen kann es auf diesem Gebiet für die Börse kaum noch geben. Woher sollen also neue Anregungen kommen? Der bewegliche Teil des deutschen Anlagepublikums hat sich schon längst nach besseren Chancen umgesehen und solche vor allem an der Tokioter Börse gefunden. Wer mutig genug war, der markttechnisch günstigen Situation an der Mailänder Börse zu trauen, hat dort erhebliche Kursgewinne erzielt.

Über dem deutschen Aktienmarkt liegt der Schatten möglicher Wechselkursänderungen. Viele Börsianer meinen, in den heutigen Kursen wäre schon eine Mark-Aufwertung von rund 8 Prozent eskomptiert. Würde sie tatsächlich kommen, wäre das eine Erlösung, weil für die Kapitalanlage nichts schlimmer als eine schwelende Ungewißheit ist. Sie ist auch der Grund für die seit Wochen anhaltende Kursstagnation. Wenn sie noch nicht zu fallenden Notierungen geführt hat, so ist dies vor allem den deutschen Fonds zu verdanken, die in kritischen Situationen das überschüssige Material aufnahmen und dadurch der erwachenden Baisse-Spekulation stets der Wind aus den Segeln genommen wurde.

Kennzeichnend für die gegenwärtige Börsensituation ist die Tatsache, daß die Zahl der Sonderbewegungen geringer geworden ist. Niemand folgt heute noch mit geschlossenen Augen den Kaufempfehlungen der zahlreichen "Informationsdienste" – soweit sie deutsche Aktien betreffen. Sie sind durch nichts mehr in Bewegung zu bringen. K. W.