Besuch bei dem dreifachen Olympiasieger Peter Snell

Von Paul Laven

Wir stellen die stärkste Amateur-Rugbymannschaft der Welt", versicherte in Auckland Alan D. Rowse, der Präsident des neuseeländischen Leichtathletikverbandes, schon zu Beginn unseres Gespräches. "Mit den Weißen ,gleichrangig‘ wie ihre Rassegenossen überhaupt, gehören die Maoris, die Eingeborenen, zu unseren besten Spielern. Ich bin davon überzeugt, daß wir auch die Südafrikaner im eigenen Land geschlagen hätten, wenn sie sich nicht, was unverständlich ist, gegen den Einsatz Schwarzer‘ in unserer Mannschaft gewehrt hätten."

Das so volkstümliche Rugby, nach englischen, den international üblichen, Regeln von Amateuren gespielt, Kricket, Golf, dessen beste Spieler sind Profis, Tennis und Baseball finden in der neuseeländischen Öffentlichkeit die größte Anteilnahme. Leichtathletik, vor allem die viel beachteten Langstreckenläufer, mit ihrer "Kerntruppe", deren Erfolge großes Echo auslösen, Schwimmen und Rudern rangieren danach. Der Skilauf hat in den letzten Jahren bemerkenswerten Aufschwung genommen. Rowse betonte, daß den Kursen im alpinen Lauf, die Dr. Hildesuse Gärtner, die ehemalige deutsche Meisterin, mehrmals längere Zeit in den Skigebieten Neuseelands durchgeführt habe, viel zu verdanken sei.

Da man es allenthalben in der Welt so emsig ausrechne, wolle er erwähnen, daß die über 2 1/2 Millionen zählenden Neuseeländer mit ihren Medaillen (1 Goldene, 2 Bronzene) an 27. Stelle stünden. Auf 867 000 Einwohner komme eine Medaille. Daß der Vierer mit Steuermann den einzigen Sieg erkämpfte, habe etwas die Enttäuschung über die Niederlage des lange vorher ungeschlagenen Achters, der Vierter wurde, ausgeglichen. Der Rudertrainer Robertson sei einer der besten der Welt. Er würde der Karl Adam Neuseelands genannt. Gegen große Schwierigkeiten ankämpfend, habe er es fertiggebracht, die besten Ruderer aus allen Teilen des Landes, allerdings zu nur wenigen Kursen, zusammenzuziehen. Mein Gesprächspartner sagte dann: "Wenn Sie das Buch unseres dreimaligen Olympiasiegers Peter Snell (800. m in Rom, 800 m und 1500 m in Tokio) "No Bugles – no Drums" (Keine Hörner, keine Trommeln) lesen, wird Ihnen aufgehen, daß die Neuseeländer den olympischen Sport, die in ihm erzielten Leistungen zwar hochschätzen, sich aber vor aller Übersteigerung hüten. Nach Mexiko haben wir begriffen, daß auch um der Anerkennung der Volkskraft in der Welt willen, der Erziehung und Förderung der Jugend zur sportlichen Höchstleistung hin, mehr Beachtung geschenkt werden muß. Die Wirtschaft des Landes, vor allem die Regierung, stehen nun den Sportorganisationen mehr als bisher zur Seite. Snell, Halberg, mancher andere, auch unsere Marathonläufer, waren, von der Hilfe weniger Freunde abgesehen, bisher auf sich selbst gestellt.

Rugby ist Schulsport

In unseren Schulen gibt es. zweimal wöchentlich Sportunterricht. Rugby steht im Vordergrund, im Sommer Kricket, das die Mädchen, wenn irgend möglich, das ganze Jahr hindurch spielen. Das 2:1 unserer Hockeymannschaft in Mexiko über die Inder, gegen die Bundesrepublik holte sie ein 0:0 heraus (am Ende waren wir allerdings nur auf Platz 8), hat auch diesem Sport bei uns Auftrieb gegeben. Nachdem unser Veteran J. R. Ballinger aus Christchurch (in der Südinsel) im Schießen (KK liegend 50 m) die Bronzene erhielt, drängen mehr junge Leute zum Schießsport. Nach 1945 haben Einwanderer auch Soccer (Fußball) eingeführt. Sie wollen jetzt Berufsmannschaften gegeneinander kämpfen lassen. Gewiß können sie auf eine bestimmte, nicht kleine Gruppe von Anhängern zählen. Ein in die Pionierzeit unseres Volkes zurückgehender Wettbewerb ist der im Holzhacken. Er wird von gutverdienenden Profis, mächtigen Kerlen, ausgeübt. Beträchtliche Zuschauermengen bewundern ihre Kraftakte."