Mit der Willensbekundung, China nach außen zu verteidigen und nach innen zu konsolidieren, ist der IX. Parteitag der KPCh am Donnerstag voriger Woche zu Ende gegangen. Zwei Tage später wurde von Radio Peking der politische Rechenschaftsbericht veröffentlicht, den Maos designierter Nachfolger, Verteidigungsminister Lin Piao, bei Eröffnung des Kongresses am 1. April gehalten, hatte und den die 1512 Delegierten einstimmig billigten.

Darin werden die 700 Millionen Chinesen aufgefordert, sich auf einen Krieg, äußerstenfalls auch auf einen nuklearen Krieg gegen die USA und die Sowjetunion vorzubereiten: "Wenn diese Mächte Krieg haben wollen, werden wir sie bis zum Ende bekämpfen." Ob die Revolution zum Kriege führe oder der Krieg zur Revolution – die Tage des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Revisionismus seien gezählt.

Innenpolitisch schien der Parteikongreß eine mittlere Linie der Mäßigung und des Kompromisses anzusteuern. Zwar verkündete Lin Piao, die Kulturrevolution werde auch in zwanzig Jahren noch-nicht den "Endsieg" errungen haben. Ausdrücklich aber betonte das Schlußkommuniqué des Parteitags: Die Aufgaben der Partei müßten "schrittweise eingehend, sorgfältig, solid und zweckmäßig" erfüllt werden, wobei die Verbindung von Theorie und Praxis zu beachten sei.

Bei der Wahl des neuen Zentralkomitees scheinen sich Männer der Mitte und der Praxis durchgesetzt zu haben: Obwohl mehr als die Hälfte der 279 Mitglieder und Kandidaten zum erstenmal in Erscheinung treten, sind Fachleute und bewährte Kader deutlich in der Überzahl; mehr als hundert gehören d< Armee an.

Auch im chinesisch-sowjetischen Grenzkonflikt bahnte sich eine gewisse Entspannung an. Lin Piaos Bericht war zu entnehmen, daß der sowjetische Ministei Präsident Kossygin den Chinesen sehe am 21. März telephonische Grenzvei handlungen angeboten hatte; acht Tag später sei die offizielle Offerte gefolg Peking erwägt jetzt, darauf einzugehen.