Schnell wurde in den Gazetten eifrig für die Freiheit der Kunst, für die Freiheit des Regisseurs plädiert. Richtig: wo kämen wir hin, wenn Theaterverlage von der von Fischer praktizierten Möglichkeit eifrig Gebrauch machten? Broadway-Aufführungen wären die konsequente Folge, Stücke, die nach Muster-Inszenierungen sklavisch nachvollstreckt werden müßten.

Zum anderen müßte bei dem eifrigen Rufen nach "künstlerischer Freiheit" auch der damit stillschweigend geübte Regiekult hellhörig machen. Wenn die Aufführung dem Stuttgarter Theater, wie manche behaupten, nicht ungelegen starb – soll dann nur die Regie die totale Auffassungsfreiheit genießen?

Mit den nächsten Aufführungen wird Neuenfels zu zeigen haben, ob er ein gesellschaftliches Ärgernis ist oder nur ein Reizauslöser, der dem Theater die Aufregungen zuführt, die es braucht, um Leben vorzutäuschen.

Die Stuttgarter Absetzung ist betrüblich – auch die "Staatstheaterleitung macht keine glückliche Figur dabei. Aber der Künstlerkult, der danach um einen Regisseur auszubrechen droht, ist auch kein gutes Zeichen.

Hellmuth Karasek