Einem "Verbrechen aus Leidenschaft" – so der gemeinsame Titel seiner beiden jetzt in Bochum für Deutschland erstaufgeführten Einakter – ist Joe Orton 1967 selbst zum Opfer geworden: sein eifersüchtiger Freund brachte den Dramatiker um, der seine Zuschauer vorwiegend mit Stoffen versorgte ("Seid nett zu Mister Sloane"), denen sein eigener Tod nachempfunden sein könnte.

Hans Lietzau, Hamburgs Intendant, will aus dem Nachlaß das Stück "Was der Butler sah" spielen lassen.

In Bochum also spielte man die beiden Einakter "Der Rowdy auf der Treppe" und "Ferien bei Erpingham".

Die beiden Einakter, die der gemeinsame Titel mehr lose als recht verbindet, haben außer der Schlußpointe, daß die Schuldigen schon mit dem Verständnis der Polizei rechnen könnten (auch Polizisten hätten Frauen, die bedrängt würden oder schwanger wären), nicht sehr viel gemein.

"Der Rowdy auf der Treppe" von 1964 wirkt wie ein Nebenwerk zum "Sloane", zudem wie ein weitaus schwächeres Nebenwerk. Ein lebensmüder "Rowdy" sucht da den Tod, indem er die Frau eines Kriminellen belästigt. Das Stück hat zwei merkwürdige Wendungen, sieht man von der latenten Sehnsucht der Frau zu der dräuenden Vergewaltigung ab: Der Mann fühlt sich zu dem als potentieller Mörder angekündigten Belästiger seiner Frau merkwürdig hingezogen (das wurde in Bochum leider nicht warm genug dargestellt). Und: die Othello-Rolle des Mannes, der den Eindringling in einer Situation, die er für in flagranti hält, erschießt, scheint komisch unangemessen. Einmal, da die liebe Gattin eigentlich wenig Ehre zu verteidigen hat (sie ging früher auf den Strich), zum anderen, weil der Mann in Wahrheit nur schießt, um eine andere Tat zu verbergen, nämlich den Mord an dem Bruder des Ermordeten.

Das Stück wirkte in Bochum eher zweit- bis drittrangig, trotz der seltsamen Charaktermischung aus puritanisch-irischen Relikten, die da das kriminelle Handeln von sozial Depravierten immer noch bestimmen. Das mag auch an der Regie Niels Peter Rudolphs gelegen haben, die zwar die vielen Pausen inszenierte, die ein realistisches Stück für Tee, An- und Ausziehen sowie Sonstiges eben braucht, kaum aber den Schauspielern wirkliche Füllmöglichkeiten für diese Pausen an die Hand gab.

Blieb das zweite Stück. Hier hatte Regisseur Rudolph zwar die Zeit nicht wenig strapaziert und gedehnt. Da er aber mit seinem Bühnenbildner Karl Kneidl so viel farcenhaft schlechtsitzendes Theater, soviel Bruch und falschen Glamour auf die Bühne zauberte – stellte er einen Zug an Ortons "Ferien bei Erpingham" (1966) heraus, der das Stück als einen fröhlich-bösen Verwandten des selbstzerstörerischen Verfahrens von Obaldias "Wind in den Zweigen des Sassafrass" zeigte.