In einem Ferienlager, einer alptraumartigen Vision des total verplanten und organisierten Urlaubs, beleidigt ein als Conférencier einspringender Angestellter bei einem bunten Abend eine Schwangere, die für einen Schrei-Wettbewerb auf die Bühne gebeten worden war. Daraus ergibt sich eine Lagerrevolte, in deren Verlauf der Chef und Initiator des Ferienlagers das Zeitliche mit dem Ewigen verwechselt.

Nicht allein, daß Orton dieses Thema zu einer Zivilisationssatire auf Ferienbetrieb und "Seid nett zueinander!" ummünzt, ist aufregend. Sondern mehr noch, daß er ständig Theaterkonventionen parodiert, verhöhnt und so bricht, daß sie als Mittel der Farce auch zur Publikumsbeschimpfung einsetzbar werden. Klassischer Botenbericht und Mauerschau tauchen in dem Wüten der revolutionierenden Feriengäste ebenso auf wie ein wildgewordener Geistlicher, der Gottes Wort immer zur unrechten Zeit zitiert und mit seinen Tartuffe-Taten illustre Darstellungen von Heiligenlegenden persifliert.

Vor allem aber bricht das Ideal vom gesitteten Ehepaar, das sich aus Liebe heiratet und auf Nachwuchs freut, übermütig und ächzend zusammen, wenn die beiden enthemmt ihren Ferienmanagern in die Fresse schlagen, Obszönitäten von sich geben und Führer-Qualitäten in ihrer wildbewegten Kleinbürgerbrust entdecken.

Orton hat dann zumindest eines erkannt: Mit dem Verzicht auf den durchschaubaren, entwicklungsgerechten, artigen Charakter ist auch der Verzicht auf die durchschaubare, sinnvolle, artige Dramaturgie verbunden. Und so verschleudert er mit seinen Helden auch sein Theater: ein "Verbrechen aus Einsicht", mehr als aus Leidenschaft.

Hellmuth Karasek