Schon jetzt ist vorauszusehen, daß es auf der für den 3. Juli einberufenen Hauptversammlung der Volkswagenwerk AG, Wolfsburg, zu einer heftigen Dividendendebatte kommen wird. Wenn man nämlich davon ausgeht, daß im Jahre 1967 nur die Dividende, von 20 Prozent (oder 10 DM auf die 50-DM-Aktie) verdient worden ist, dann hat sich 1968 der Gewinn je Aktie mehr als verdoppelt. Vom VW-Chef Dr. Lotz wird er mit 22,50 Mark angegeben. Er würde sogar 28 Mark betragen, wenn das Volkswagen werk nicht gut 80 Millionen Mark im die Auslandsbeteiligungen "nicht steuerwirkam" abgeschrieben hätte.

Das Finanzamt erkennt diese Abschreibung nicht an, der Vorstand hält sie indessen betriebswirtschaftlich für erforderlich. In diesem Punkt sollten die Aktionäre dem Vorstand folgen, denn liemand kann wissen, was einmal mit den in Brasilien, Mexiko oder Südafrika investierten VW-Millionen geschehen wird.

Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, daß für 1968 weniger als die Hälfte des Gewinns zur .inneren Stärkung" des Unternehmens einbehalten werden soll. Hier zeichnet sich eine neue Dividendenpolitik ab, die besagt, daß die Aktionäre auch in Zukunft kaum mehr als 10 Mark je Aktie ausgeschüttet bekommen. Dr. Lotz bestreitet, daß die "Dividendenkontinuität" erst für 1968 beschlossen worden ist.

Die Entscheidung sei schon gefallen, als die Verwaltung sich im vergangenen Jahr bereit erklärt habe, die Dividende nicht zu kürzen, obwohl man damals "nichts, aber auch gar nichts" für die Reserven tun konnte. Was 1967 an Ertrag über die Dividende hinaus gezeigt wurde, sei lediglich aus der Auflösung stiller Reserven entstanden.

Mit Sicherheit werden die VW-Aktionäre in diesem Jahr nicht zur Kasse gebeten werden. Wahrscheinlich wird auch im Jahre 1970 noch keine Kapitalerhöhung notwendig sein, denn das Volkswagenwerk schwimmt im Geld. Rückwirkend läßt sich sagen, daß zu lange mit neuen Investitionen gezögert worden ist. "Wir hatten einfach nicht den Mut, bei Kurzarbeit an den Bau neuer Kapazitäten zu denken", entschuldigte sich Dr. Lotz.

Aber ist das der wahre Grund? Läßt sich nicht auch denken, daß einige geplante Investitionsvorhaben einfach geplatzt sind? Auch der Bau einer Produktionsstätte bei Salzgitter ist augenscheinlich nicht der Weisheit letzter Schluß, denn "eigentlich hätte diese Fabrik im Ausland entstehen müssen", wurde auf der Pressekonferenz freimütig eingeräumt. K. W.