Von Wolfram Siebeck

Männer, helft euren Frauen!" ruft uns Frau Elisabeth Lünenburger von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände zu. Als täten wir je etwas anderes! Wir helfen ihnen in den Mantel, wenn wir das Theater nach dem 2. Akt verlassen, weil zu Hause das Bügeleisen nicht ausgeschaltet ist; wir helfen ihnen, Namen im Telephonbuch zu finden; und wir helfen ihnen beim Abladen, wenn sie Waren, mit denen vielleicht Eisenbahnwaggons gefüllt werden könnten, nach Hause schleppen, wie das die "Hausfrau 1969" in einer gleichnamigen Studie der Frau Lünenburger bis zu ihrer silbernen Hochzeit tun muß.

Eine ganze Menge Hilfe, sollte man meinen, besonders, wenn man sich klarmacht, wie wenig dem Hausherrn 1969 geholfen wird. Da ist nie-Autoschlüssel sucht. Und wenn er bis zur silber-Autoschlüssel sucht. Und wenn er bis zur Silbernen Hochzeit hilfreich und treu an ihrer Seite durchs Leben schreitet, wird ihm höchstens vorgerechnet, wie viele Eisenbahnwaggons voll Ware seine Hausfrau bisher nach Hause schleppte. Arm an wirtschaftlicher Macht und persönlichem Einfluß und bar jeder Möglichkeit, auch nur eine abgeschwächte Form der Mitbestimmung durchzusetzen, hatten Ehemänner bisher wenig Chancen, gegen autoritäre Anweisungen ("Männer, helft euren Frauen!") aufzumucken.

Kein Wunder also, wenn sie jetzt gegen Selbstbeschränkung, Anpassung, mangelnde Hilfeleistung und andere repressive Erscheinungen der Ehe im spätmatriarchalischen Zeitalter rebellieren:

Erstmalig soll ein Ehestatut Macht und Einfluß der Hausfrauen einschränken. So verlangen eheabhängige Männer bei der Einstellung und Entlassung von Hausfreunden ein Mitspracherecht; die Unabhängigkeit des Hausherrn soll auch beim Krawatteneinkauf gewahrt bleiben; und kein Ehemann soll gezwungen werden, gegen seinen Willen Hilfe zu leisten. Besonders der letzte Punkt stellt einen revolutionären Fortschritt dar – falls er durchgesetzt werden kann. Denn gerade die Hilfeleistung durch eheabhängige Hausherren gehört zu den Essentials des matriarchalischen Systems. Ohne sie würden zwar die scheußlichen Eisenbahnwaggons vor der Haustür verschwinden, aber gleichzeitig, so geben veränderungswillige Gatten ahnungsvoll zu bedenken, würden Ihnen so radikale Forderungen die Kontaktaufnahme bei anderen Hausfrauen erschweren.

Meine Hausfrau 1969 sieht in dem Statut nichts Revolutionäres. "Im wesentlichen eine Kodifizierung bestehender Verhältnisse", meint sie und verweist darauf, daß ich ihr schon seit Tagen nicht mehr geholfen habe, wenn sie versuchte, die Stäbe meines Käfigs vom Winterrost zu reinigen und neu zu vergolden.