Damit jede Sekunde der kostbaren Computerzeit ausgenutzt wird, arbeitet die Anlage stets an mehreren Programmen gleichzeitig. Was schnell geht, wird sofort erledigt. Sobald Rechenkapazität frei ist, setzt der Rechner die Arbeit an Programmen fort, die längere Zeit in Anspruch nehmen. Im Institut verstreut gibt es 27 sogenannte Datenstationen – schreibmaschinenähnliche Einrichtungen, die zum Teil durch Bildschirme ergänzt sind –, von denen aus die Forscher direkt mit dem Computer arbeiten können.

Der neue Computer soll auch anderen Forschungsinstituten zur Verfügung stehen, so dem Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik, dem Max-Planck-Institut für Eiweiß- und Lederforschung, ferner Instituten der Universität und der Technischen Hochschule München. Ein Drittel der Arbeitskapazität nutzt das Kernforschungszentrum Karlsruhe über eine Datenfernverbindung, eine Art Fernsprechleitung.

Die Atomforscher in Karlsruhe merken nicht, ob ihre Aufgaben in Karlsruhe oder in Garching gerechnet werden. Sie nahmen einfach, wie bisher, mit ihrem Karlsruher Computer Kontakt auf und bekommen von ihm auch die in Garching’ errechneten Ergebnisse.

Die von Karlsruhe nach Garching geschickten Rechenaufgaben fallen vor allem bei der Entwicklung der sogenannten "schnellen Brüter" an. Diese Brüter sollen, wie die heute arbeitenden Atomreaktoren, Energie nutzen, die bei der Spaltung von Uratomen frei wird. Gelingt es einst Wissenschaftlern in Garching oder anderswo in der Welt, die physikalischen Probleme der Wasserstoffverschmelzung zu lösen, so werden die Fusionsforscher wahrscheinlich vor einem weiteren Problem stehen: Sie müssen Energie billiger erzeugen können als die atomspaltende Konkurrenz mit den dann sicherlich auch einsatzbereiten schnellen Brütern.

Daß gerade die Spalter in Karlsruhe – für die Plasmaphysiker die Konkurrenz der Zukunft – den Garchinger Computer mitbenutzen dürfen, so scherzte Verschmelzungsforscher Schlüter, "sehen wir als Beweis unserer besonderen Großzügigkeit an".