Von Rudolf Walter Leonhardt

Einer beliebigen Boulevardzeitung entnehme ich den Fall des Rolf T. Der war selber zur Polizei in Berlin-Schöneberg gegangen und hatte zu Protokoll gegeben, daß er von der Mutter einer Manuela erpreßt wurde: "Wenn du nicht bezahlst, werde ich der Polizei erzählen, was du meinem Kind angetan hast."

Der Richter sprach sein Urteil und begründete: "Der Angeklagte ist nicht eigentlich der Täter, sondern das Opfer. Er wurde von einer Dreizehnjährigen in unglaublich raffinierter Weise verführt und verleitet. Und er wurde das Opfer einer Erpressung." Das Opfer einer Erpressung wurde zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt.

Dazu sagte der Berliner Kriminaloberkommissar Dr. Karl Friedrich Kaiser dem Reporter: "Ich kann Fälle erzählen, von denen jeder wie ein Roman klingt. Gegenwärtig führen wir 88 sexuelle Erpresser und Erpresserinnen in unserer Kartei. Aber das besagt nicht viel, denn die Dunkelziffer ist erheblich."

Der Kampf gegen die "Unzucht mit Minderjährigen" fordert seine Opfer: darunter, wer wollte das bezweifeln, viele Sündenböcke, die für viele, viele andere mitbüßen.

Was die in kindlicher Unschuld Befangenen dem Autor der "Lolita" nie verziehen haben, war: daß er ihren Mythos vom Kind, auf eine so unterkühlte Weise zerstörte. Da lechzt Humbert Humbert, der Verworfene, der Elende, seinem Nymphchen nach, zitternd vor Furcht und Begier, sie, die er übrigens wirklich liebt, zu verführen.

Und dann: "Frigid gentlewomen of the jury! I had thought that months, perhaps years, would elapse before I dared to reveal myself to Dolores Haze; but by six she was wide awake, and by six fifteenwe were technicalle lovers. I am going to teil you something very stränge: it was she who seduced me."