Von Fritz René Allemann

Für den Reisenden, der die Iberische Halbinsel mit dem Auto durchstreifen will, bilden die portugiesischen Pousadas wie die verwandten spanischen Paradores eine besondere Anziehung. Diese meist kleinen, aber mit ungewöhnlicher Sorgfalt, mit Stil und Geschmack ausgestatteten Herbergen sind staatliche Passantenhotels, vom Staatssekretariat für Information und Tourismus eingerichtet und unterhalten, die sich gleichermaßen durch den hohen Standard ihres Komforts wie durch ihren verhältnismäßig niedrigen Preis auszeichnen.

Nur wenige von ihnen – wie die berühmte, aber in ihrer etwas großspurigen Architektur eigentlich untypische "Pousada do Infante" in Sagres – finden sich in den weitbekannten Zentren des Fremdenverkehrs; manche liegen abseits der vielbegangenen Wege und sind eigens dazu geschaffen worden, dem ausländischen Gast den Reiz abgelegener Gebiete, verträumter Kleinstädte oder menschenarmer Gebirgszonen zu erschließen. Wer etwas von der Vielgestaltigkeit des kleinen Landes am westlichsten Rande Europas erfahren will, wird bei einer gut angelegten Fahrt von Pousada zu Pousada unaufdringlich mit dem Charakter der verschiedenen Regionen vertraut gemacht; dazu gehört es auch, daß die im allgemeinen sehr gepflegte Küche dieser Etablissements meistens auch regionale Spezialitäten bietet, denen man in den internationalen Hotels nur selten begegnet.

Während die Pousadas keine Feriengäste annehmen – die Aufenthaltsdauer ist auf fünf Tage beschränkt –, kann man in den ähnlich angelegten, aber privat geführten Estalagens auch für einen längeren Zeitraum Unterkunft finden. Beiden Typen ist die charakteristische Verbindung von Komfort und Stil gemeinsam, aber auch die Intimität einer Gastlichkeit, die jeden Massenbetrieb ausschließt. Das bringt allerdings zugleich die Schwierigkeit mit sich, daß es mindestens während der Hochsaison – Mitte Juni bis Mitte September – oft recht schwierig ist, in diesen Häusern Zimmer zu finden. Aber die beste Reisezeit für den, der das Land wirklich kennenlernen möchte, liegt ohnedies eher im Frühjahr und im Herbst. Selbst dann empfiehlt sich im allgemeinen Vorbestellung.

Auf einige ausgewählte Pousadas und Estalagens in verschiedenen Landesteilen, die ich während eines halbjährigen Portugal-Aufenthalts als besonders anziehend empfunden habe, sei im folgenden hingewiesen. (Z. = Zimmer, U. = Übernachtungspreis, P. = Pensionspreis in Escudos; sieben Escudos sind ungefähr eine Mark.)

Nordportugal

Pousada Santa Catarina, Miranda do Douro. An der äußersten Ostspitze Nordportugals unmittelbar an der spanischen Grenze hoch über dem hier tief in die Felsen eingeschnittenen Douro gelegen, ein großzügig und modern angelegtes Gästehaus am Rande der kleinen Stadt.