Von Ingrid Neumann

Fast wäre es ein Aprilscherz geworden; aber es passierte noch gerade am letzten Tag des Monats März. Im Bochumer Hauptquartier der IG Bergbau und Energie klingelte das Telephon. Der Anruf kam aus dem Hans-Böckler-Haus zu Düsseldorf, und wenige Minuten später war sein Empfänger die längste Zeit der Vize von Bergarbeiterführer Walter Arendt gewesen.

Fernmündlich sollte er sein Jawort geben, wozu Heinz Oskar Vetter, der stellvertretende Vorsitzende der Bergarbeitergewerkschaft, ein wenig überrascht, aber freudig bereit war. Dann fuhr er im anbefohlenen Eiltempo in die Landeshauptstadt, um sich von den in der Zentrale des Deutschen Gewerkschaftsbundes vollzählig versammelten Bossen der 16 Industriegewerkschaften auf den Schild heben zu lassen.

Die Zeremonie war ebenso kurz wie glanzlos; aber die 16 Königsmacher – die hier zum zweitenmal versammelt waren, ein neues, auf dem kommenden Bundeskongreß des DGB zu wählendes Oberhaupt zu nominieren – waren zufrieden: Der zweite Mann der IG Bergbau kandidiert ohne Bedingungen für das höchste Amt der im DGB organisierten Arbeitnehmer, das Ludwig Rosenberg aus Altersgründen aufgibt.

Indes, die Kollegen wollten diesmal ganz sicher gehen, sich nicht wieder eine Laus in den Pelz gesetzt zu haben. Dem frisch gekürten Rosenberg-Nachfolger wurde noch gleich an Ort und Stelle ein Enthaltsamkeitsgelübde abverlangt. Und der Vetter aus Bochum versprach, nichts zu tun oder zu sagen, was seinen Mentoren mißfällt.

Mißfallen würde ihnen vor allem ein DGB-Chef, der regieren will, der Ambitionen hätte, die Spitze zu stärken, der Zentrale mehr Macht zu verschaffen, als es den selbstherrlichen Stammesfürsten lieb ist.

Eben daran scheiterte der erste nominierte Aspirant auf den vakant werdenden Thron im Düsseldorfer Hans-Böckler-Haus. Im Januar dieses Jahres hatte Kurt Gscheidle aus dem Vorstand der Postgewerkschaft im ersten Anlauf die Zustimmung der 16 gewonnen. Nach seiner Nominierung stellte er jedoch Bedingungen.