Ein Abbild des Sonnensystems – ein Planetensystem im kleinen – hat der gebürtige niederländische Astronom Professor Peter van de Kamp vom Sproul-Observatorium in den USA im Sternbild des "Schlangenträgers" entdeckt. Dort befindet sich ein Fixstern – "Barnards Stern" genannt –, der von mindestens zwei größeren Planeten "B 1" und "B 2" umkreist wird.

Der Planet "B 1" hat etwas mehr Masse als der Jupiter, der größte Planet des Sonnensystems, und umkreist den Barnardschen Stern auf einer 720 Millionen Kilometer entfernten Bahn einmal in 26 Erdenjahren. Nur vier Fünftel so groß wie Jupiter ist "B 2", der, 400 Millionen Kilometer von seinem Zentralgestirn entfernt, für eine Umrandung zwölf Erdenjahre braucht.

Da die Leuchtkraft von Barnards Stern zweitausendfach geringer ist als die der Sonne und die Planeten in relativ weitem Abstand kreisen, ist es nach van de Kamps Ansicht auf den Planeten zu kalt für irgendeine Form von Leben.

Schon 1963 hatte der Astronom bemerkt, daß Barnards Stern von einem Himmelskörper umkreist wird, der nicht selber leuchtet. Diese Entdeckung gelang aus einer sehr genauen Analyse der Bahn, die der nur knapp sechs Lichtjahre vom Sonnensystem entfernte "Fix"-Stern am Himmel zurücklegt.

Von allen bis heute untersuchten Sternen hat Barnards Stern die größte "Eigenbewegung". Er wird daher auch "Barnards Ausreißer-Stern" genannt, obwohl es sich um winzige Ortsveränderungen handelt. Aus Schwankungen in dieser Eigenbewegung konnte van de Kamp damals einen Begleiter berechnen, der in stark elliptischer Bahn den Barnard-Stern umkreisen mußte.

Dieses Ergebnis betrachtete der Forscher jedoch mit Skepsis, weil Planeten. ihre Sonne in einer mehr der Kreisform ähnlichen Ellipse umlaufen. Weitere Sammlung von Meßdaten und eine neue Berechnung zeitigten nun das Resultat: Es sind zwei Planeten auf angenäherten Kreisbahnen. Van de Kamp schließt nicht aus, daß noch weitere kleinere Planeten zum "Barnard-System" gehören, die wegen ihrer geringen Masse und dem entsprechend kleinen Einfluß auf die Bahn des Zentralgestirns nicht mehr aufzuspüren sind. Direkt sichtbar oder photographisch nachzuweisen sind Planeten ferner Fixsterne nicht; dafür ist ihre Lichtstärke zu gering, denn sie leuchten nur mit dem vom Stern reflektierten Licht.

Bereits 1943 hatte Professor van de Kamp mit einem Team von Mitarbeitern einen Planeten im Sternsystem 61 Cygni (11 Lichtjahre entfernt) aufgefunden. 61 Cygni (Sternbild "Schwan") besteht aus zwei Sternen, die ihr gemeinsames Schwerkraftzentrum umkreisen. Die Bewegung des einen der beiden schwankt ein wenig, so daß sich aus dieser Bahnstörung die Anwesenheit eines Planeten berechnen ließ, der etwa achtmal so groß ist wie Jupiter. Er erhielt die Bezeichnung 61 Cygni C und war der erste Planet, der außerhalb des Sonnensystems gefunden wurde.

Das jüngste Ergebnis der van de Kampschen Planetenfahndung läßt vermuten, daß gewiß sehr viele, vielleicht sogar alle Fixsterne, von einem Planetensystem umschwirrt werden. Wenn zwei der Sonne relativ nahe Sterne Planeten besitzen, dann könnten Planeten ganz normale Nebenprodukte beim Entstehungsprozeß von Sternen sein. G. A. H.