Von Kurt Wendt

Die deutschen Banken hatten 1968 ein Rekordjahr. Die meisten von ihnen verzeichneten einen Expansionserfolg wie noch nie in ihrer Geschichte und dieser ist bei den drei deutschen Großbanken, der Commerzbank, der Deutschen Bank und der Dresdner Bank, nun schon fast hundert Jahre alt. Alle drei Großbanken haben durch ihre Vorstände sagen lassen, daß das Jahr 1968 auch einen Rekordgewinn gebracht hat. Erstmals wurde das bisherige Rekordgewinnjahr 1960 übertroffen.

An dem guten Geschäftsergebnis partizipieren die Aktionäre über höhere Ausschüttungen. Die Commerzbank bietet für 1968 gegenüber dem Vorjahr ein Prozent mehr, die Aktionäre der Deutschen und der Dresdner Bank sollen eine um zwei Prozent erhöhte Dividende bekommen. Dabei ist freilich anzumerken, daß die Deutsche Bank tatsächlich zwei Prozent weniger ausschüttet, denn sie hatte für 1967 eine Dividende von 16 + 4 Prozent Bonus verteilen lassen, den sie mit der Weitergabe der vom Staat zurückerstatteten Zweigstellensteuer begründete.

Die Phase zwischen den beiden Rekordjahren war für die Bankaktionäre nicht gerade mager. Rechnet man die Dividendensummen der Jahre 1960 bis 1968 zusammen und addiert dazu die Bezugsrechte, die in dieser Zeit angefallen sind, so kommt man bei der Commerzbank auf 307 Prozent, bei der Deutschen Bank auf 402 Prozent und bei der Dresdner Bank auf 426 Prozent, also recht respektable Größenordnungen.

Allerdings stellen diese Zahlen keinen "Reinverdienst" dar. Er wird nämlich geschmälert durch den Rückgang der Aktienkurse seit 1960, eine Folge der meist zu pari vorgenommenen Kapitalerhöhungen. Bei der Commerzbank reduziert sich der Achtjahreserfolg um 99 Prozent auf 208 Prozent, bei der Deutschen Bank um 109 Prozent auf 293 Prozent und bei der Dresdner Bank um 92 Prozent auf 327 Prozent. Es gibt also keinen Zweifel: Die Aktionäre der Dresdner Bank sind in der Vergleichszeit am besten gefahren.

Die Dresdner Bank hat in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen, um den Abstand zur führenden Deutschen Bank zu verringern, eine Aktivität, die vielen ihrer Vorstandsmitglieder den Ruf eingetragen hat, besonders "harte Banker" zu sein. Wenn man unterstellt, daß dieses Bild, das sich ein Teil der Öffentlichkeit von der Dresdner Bank macht, richtig ist, so beweist es, wie hart auf dem Kreditsektor gearbeitet werden muß, wenn jemand seine Position, seinen Marktanteil, verbessern will.

Denn die Großbanken konkurrieren nicht nur untereinander, sie müssen sich immer mehr mit anderen Wettbewerben auseinandersetzen, im Kredit- und Wertpapierbereich vor allem mit den öffentlich-rechtlichen Instituten, also den Sparkassen, Landesbanken und Girozentralen, und auf dem Wertpapiersektor obendrein noch mit den ausländischen Investmentfonds und neuerdings mit zahlreichen Unternehmen, die Vermögensverwaltungen anbieten, in Wirklichkeit aber nichts anderes sind als die Vorstufe neuer Effektenbankiers mit Broker-Funktionen.