Das einflußreiche amerikanische Council on Foreign Relations hat in letzter Zeit eine Reihe von Monographien unter dem Sammeltitel "The United States and China in World Affairs" herausgebracht. Der 7. und der 8. Band der Reihe verdienen heute, da viel über eine neue amerikanische Asien- und China-Politik spekuliert wird, besondere Aufmerksamkeit:

Kenneth T. Young: "Negotiating With the Chinese Communists: The United States Experience, 1953–1967"; McGraw-Hill, New York 1968; 423 S., $ 10,95.

Fred Greene: "U. S. Policy and the Security of Asia"; McGraw-Hill, New York 1968; 423 S., $ 9,95.

Young hat nicht nur 1953/54 in Panmunjon an den Waffenstillstandsverhandlungen mit den Chinesen und den Nordkoreanern teilgenommen, sondern später seinem Land auch als Botschafter in Thailand gedient. Vor allem kam er bis 1963 mit den amerikanisch-chinesischen Botschafter-Gesprächen in Warschau in Berührung, deren Jrsprung, Entwicklung und Aussichten sein Buch behandelt.

Trotz der chronischen Abneigung des amerikalischen Außenministers Dulles, mit den chinesichen Kommunisten unmittelbar in Verbindung zu kommen, ergriff Peking 1955 erfolgreich die Initiative. Über die Frage der Heimkehr der in China zurückgehaltenen amerikanischen Bürger und der in Amerika lebenden unzähligen Chinesen kam ein chinesisch-amerikanischer Dialog zuwege. Das am 10. September 1955 unterzeichnete, allerlings nie ausgeführte Repatriierungsabkommen blieb bisher das einzige Abkommen zwischen Peking und Washington. Young erklärt sich das mit dem chinesischen Versuch, die Heimkehrerfrage mit anderen politischen Fragen wie Taiwan und der Anerkennung Pekings zu verknüpfen. Da edoch die amerikanische Seite nicht bereit war, zu den anderen Fragen überzugehen, solange nicht "der letzte amerikanische Bürger" von China "freigelassen" worden sei, gerieten die Gespräche in die Sackgasse, in der sie bis heute geblieben sind.

Wir wissen, daß das 135. Treffen, das endlich im Februar 1969 hatte stattfinden sollen, wieder auf unbefristete Zeit verschoben worden ist. Warum blieben diese Gespräche bisher fast völlig erfolglos? Young nennt als Grund die doktrinäre Starrheit und Irrationalität der "maoistischen", ‚neo-maoistischen" und "post-maoistischen" Ideologie, übersieht jedoch nicht, daß die provozierende Haltung der Vereinigten Staaten zur Verhärtung der chinesischen Haltung beigetragen haben könnte.

Young folgert daraus: "Solange es sich beim Gegenüber am Verhandlungstisch um einen Maoisten oder Neo-Maoisten handelt, der irgendeine Form der chinesischen kommunistischen Verhandlungstaktik praktiziert, darf ein amerikanischer Verhandlungspartner sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, obwohl er weiß, daß es lange zu keinem Ergebnis kommen wird." Allerdings meint Young, daß es sich lohne, den offiziellen Dialog zwischen Washington und Peking beizubehalten, da er auf alle Fälle ein "kleines Fenster der Diplomatie" bilde, durch das die beiden Länder, die sich gegenseitig nicht anerkennen, miteinander verkehren können.