Von Wolfram Siebeck

Der Schweizer Werbe-Agentur Gerstner, Greilinger+ Kutter entzogen die Ford-Werke in Köln ihren Zwanzig-Millionen-Etat, mit dem die Image-Macher bisher für die Kölner Autos geworben hatten. Daraufhin servierte Karl Gerstner seinen Angestellten Sektflaschen mit Trauerflor und bekannte dem Spiegel: "Es wurde noch ein lustiger Abend. Wir fühlten uns alle irgendwie von einem Alpdruck befreit."

Daß Werbung heute mit neuen Methoden betrieben wird, haben wir inzwischen mitgekriegt. Nun erfahren wir auch, daß dazu ein neuer Menschenschlag gehört. Nicht so Hasenfüße wie unsereiner, der sofort den Sektkonsum einstellt, wenn er einen Auftrag los wird, und sich sorgenvoll auf die Finger beißt.

Die cleveren Jungs aus der Werbebranche sind aus einem anderen Holz geschnitzt. Deprimiert sind sie nur, wenn ihnen nichts Schlimmes passiert, was sie in den Spiegel bringen könnte.

"Es ist zum Verzweifeln!" stöhnt Floss von Floss, Kremser + Kraus und spielt nervös mit dem Trauerflor der Limonadenflasche. "Seit vier Jahren verwalten wir den Werbeetat von General Umbrellas und sind immer noch nicht gekündigt! Wie soll das nur weitergehen?"

"Wir haben einfach Pech mit dem Wetter", versucht Kremser zu trösten, "Es regnet ja immer."

"Ach was, wir sind einfach zu gut. Kein Mensch schreibt über uns..."