Von Willi Bongard

Schon am Nachmittag des ersten Aus-Stellungstages der 1. Kunst- und Antiquitätenmesse in Hannover-Herrenhausen (27. April bis 5. Mai) schien kein Zweifel mehr möglich, daß das Experiment gelungen war. Die verantwortlichen Herren der Messeleitung strahlten und ließen Sekt auffahren.

In den siebzig Kojen der Galerie und der Orangerie des Schlosses Herrenhausen drängten sich Tausende (genau waren es am ersten Tag 5600) um ein – für deutsche Verhältnisse – überraschend qualitätsvolles Angebot an Antiquitäten, Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Gobelins, Goldschmiedearbeiten, Keramik, Glas, Möbeln, Uhren, Ostasiatica, Ethnographica und Orientteppichen.

In Hannover-Herrenhausen herrschte mit zwei Worten das, was man in der Messesprache einen "dollen Betrieb" nennt. Die Rechnung, die die Verbände der Kunst- und Antiquitätenhändler Niedersachsens, Berlins, der Hansestädte und Schleswig-Holsteins aufgemacht hatten, ist aufgegangen.

Es hatte Auseinandersetzungen und Streit gegeben, insbesondere mit dem Bayerischen Verband der Kunst- und Antiquitätenhändler, die in der Hannover-Messe, die geschickt zeitlich mit der Industriemesse kombiniert wurde, eine Konkurrenz sahen und um eine Beeinträchtigung ihrer "Deutschen Kunst- und Antiquitätenmesse" bangten, wie sie alle Jahre im Herbst in München stattfindet.

Die Veranstalter waren indessen klug genug, in der Auswahl der Aussteller einen Querschnitt durch den deutschen Kunst- und Antiquitätenhandel zu bieten und dabei vor allem die Münchner Kollegen zu berücksichtigen, die immerhin mit 17 Ständen vertreten waren. Der Rest verteilte sich paritätisch auf die einzelnen Landesverbände, wobei dahingestellt sein mag, ob diese Proporzlösung die glücklichste war. Tatsache ist, daß nie zuvor in deutschen Landen mehr Qualität auf engerem Raum versammelt war, als hier im Schloß Herrenhausen. Insgesamt war es Ausstellungsgut im Werte von etwa 30 Millionen Mark, das es in Hannover zu bewundern – und zu kaufen gab.

Es ist ein Jammer, daß die Hannover-Messe dem Münchner Vorbild in einem Punkt folgte: Die Umsätze wurden wie ein Staatsgeheimnis gehütet, genauer, niemand sah sich in der Lage, eine Auskunft über den Umfang der Geschäfte zu erteilen. Man darf aber annnehmen, daß die Umsätze an das Münchner "Konkurrenzunternehmen" heranreichten. Ja, es scheint möglich, daß das Ergebnis der letzten Münchner Kunst- und Antiquitätenmesse in Hannover noch übertroffen wurde.