Gleich zweimal am selben Tage wurde in der vergangenen Woche ein Silberstreifen am Horizont der deutsch-sowjetischen Handelsbeziehungen sichtbar. Das Hannoveraner Rendezvous zwischen Bundeswirtschaftsminister Schiller und dem sowjetischen Außenhandelsminister Patolitschew sei "in freundschaftlicher Atmosphäre" verlaufen, betonte der deutsche Gastgeber; und Ernst Wolf Mommsen, Chef der Thyssen Röhrenwerke AG, hat sogar bereits einen attraktiven Scheck auf die Zukunft des deutsch-sowjetischen Austausches erhalten.

Gemeinsam mit der sowjetischen Regierung wird Thyssenrohr in der UdSSR ein Projekt zur Herstellung von Großröhren durchführen, die doppelt so groß sind wie die bisher in der internationalen Röhrenindustrie bekannte Produktion. Beide Partner wollen je eine Anlage bauen, um – bei offenem gegenseitigem Erfahrungsaustausch – den besten Weg zur Produktionsreife zu ermitteln.

Sechs Jahre lang war der große sowjetische Markt für die deutschen Röhrenproduzenten verschlossen. Erst hatte das Röhrenembargo der NATO die Lieferanten von der Ruhr gehindert, ihre Verträge, mit den Sowjets einzuhalten, dann sorgte die anhaltende Verärgerung über die kontraktbrüchigen Deutschen in der Sowjetunion für Funkstille.

Wenn dieser Bann jetzt gebrochen ist, dann ist der Kooperationsvertrag von Thyssenrohr mehr als eine gute Nachricht. Dann ist eine ebenso ärgerliche wie unsinnige Schranke für den deutschsowjetischen Händel gefallen. nmn