An der Spitze einer "großen Regierungsdelegation" ist am Dienstag der DDR-Außenminister Winzer in Bagdad eingetroffen, um mit der irakischen Regierung die Formalitäten des beabsichtigten Botschafteraustausches auszuhandeln. Radio Bagdad hatte vorige Woche eine Verlautbarung des revolutionären Kommandorates verbreitet, die von einer "vollen Anerkennung" der DDR (so das SED-Parteiorgan "Neues Deutschland") sprach.

Damit kann Ostberlin erstmals mit einem Land außerhalb des engeren kommunistischen Machtbereichs diplomatische Beziehungen aufnehmen, wenngleich der Irak fast völlig unter sowjetischem Einfluß steht. Zehn Jahre lang hatte Ulbricht heftig um Bagdad geworben. Als 1965 die geheimen Waffenlieferungen der Bundesrepublik an Israel bekannt wurden und neben anderen arabischen Staaten auch der Irak die Beziehungen zu Bonn abbrach, füllte Ostberlin die entstehenden Lücken. Das Handelsvolumen zwischen der Bundesrepublik und dem Irak repräsentierte 1968 einen Wert von 267 Millionen Mark (davon: 184 Millionen Mark für Westdeutsche Ölimporte).

Regierungschef Ahlers wertete die DDR-Anerkennung durch den Irak als "unfreundlichen Akt". An eine Kettenreaktion in anderen Hauptstädten der Welt glaubte man in Bonn zunächst nicht.