Der Evangelischen Kirche in Deutschland ist als Institution der Totenschein ausgestellt worden. Mit der Gründung eines eigenen Bundes, gemäß der neuen Ostberliner Verfassung, haben die acht Landeskirchen der DDR zerstört; was schon seit 1961, seit dem Bau der Mauer, ohnehin nur noch eine Fiktion war: Die "letzte gesamtdeutsche Klammer", die EKD, gehört der Geschichte an.

Zur gleichen Zeit haben die Lutheraner im Westen die Konsequenzen aus der Verselbständigung ihrer östlichen Bruderkirchen gezogen: Nach der Gründung einer "Vereinigten Lutherischen Kirche in der DDR" nahm die Generalsynode in Augsburg eine neue Satzung an. Sie beschränkt ihren Wirkungsbereich auf die acht westdeutschen Gliedkirchen. So ist also auch hier die Spaltung der Organisation vollzogen.

Was nach alldem bleibt, ist der Versuch, sich über den gemeinsamen Glauben, die einheitliche Kirchenordnung hinaus eine "besondere Gemeinschaft", eine "partnerschaftliche" Freiheit zu erhalten. Ob es in Zukunft noch Kontakte und Kooperation geben wird, hängt freilich ganz von den DDR-Behörden ab.

Soviel ist gewiß: Die vier DDR-Mitglieder im Rat der EKD werden ausscheiden. Auch wird sich die West-Synode bei ihrer nächsten Zusammenkunft im Mai 1970 wenn nicht einen anderen Namen, so doch eine eigene regionale Verfassung geben müssen.

Für den deutschen Protestantismus beginnt ein neuer Abschnitt der Geschichte. Im geteilten Land wird fortan auch die Kirche geteilt sein. Alle Illusionen sind zerstoben – aber auch den nüchternen Realisten bleibt die Hoffnung, daß Teilung nicht für alle Zukunft Trennung bedeutet.

D. St.