Nicht nur die Bundesregierung, die Unternehmer und die Gewerkschaften haben einen Meinungswandel in Sachen Aufwertung der Mark vollzogen. Auch die Konjunkturpropheten der Arbeitsgemeinschaft wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute haben sich im Gegensatz zu Novenber vergangenen Jahres zu einem einstimmigen Chor zusammengefunden, der das Lied der Aufwertung singt.

Diese Einstimmigkeit ist insofern erstaunlich, als die Meinungspalette der sechs Forschungsinstitute, die sich halbjährlich zu einer Gemeinschaftsdiagnose der Konjunktur zusammentun, vom nahezu kompromißlosen Wachstum (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin) bis zum getreuen Verfechter der Preisstabilität (Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung in Essen) reicht.

Am weitesten haben sich die Berliner von ihrem Grundsatz entfernt. Bisher war für sie ein höchstmögliches wirtschaftliches Wachstum mit einer Aufwertung nicht in Einklang zu bringen. Doch für die Berliner und die anderen (mit Ausnahme der Essener) gab es eine Basis: die Unmöglichkeit, eine Aufwertung zu umgehen.

Wenn diese schon unvermeidbar ist, so folgern die Institute gemeinsam, muß sie schnell beschlossen werden; auf alle Fälle rechtzeitig bevor der Boom, vielleicht schon im Herbst, nachzulassen beginnt. Die Essener sind ganz anderer Meinung – kamen aber zum selben Ergebnis. Sie befürchten Preisinflation und befürworten die Aufwertung, um den ausländischen Inflationsbazillus abzuwehren. Die Einstimmigkeit der Institute ist also nur zufallsbedingt. my