DIE ZEIT

Ein Ruck zum Frieden?

Die Amerikaner werden den Krieg in Vietnam weiter de-eskalieren. Der Beginn ihres Truppenabzugs ist nur noch eine Frage des Termins.

Verjährung in der Sackgasse

Die Bundestagsfraktion der CDU/CSU hat sich vom Kabinettsbeschluß über die Aufhebung der Verjährung für Mord nicht binden lassen, obwohl ihm die meisten ihrer Minister zugestimmt haben.

Geteilte Kirche

Der Evangelischen Kirche in Deutschland ist als Institution der Totenschein ausgestellt worden. Mit der Gründung eines eigenen Bundes, gemäß der neuen Ostberliner Verfassung, haben die acht Landeskirchen der DDR zerstört; was schon seit 1961, seit dem Bau der Mauer, ohnehin nur noch eine Fiktion war: Die "letzte gesamtdeutsche Klammer", die EKD, gehört der Geschichte an.

Das Erbe de Gaulles

Jeder, der während der letzten Jahre darüber verzweifelt war, daß es mit Europa nicht voranging, weil der französische Staatspräsident allen Fortschritt blockierte, hat sich letzten Endes damit getröstet, daß irgendwann einmal die "Nach-de-Gaulle"-Epoche anbrechen müsse.

ZEITSPIEGEL

Der FDP-Landesausschuß in Hamburg verabschiedete den Entwurf eines Vertrags zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Artikel eins: "Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland und die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik nehmen diplomatische Beziehungen auf, wie sie zwischen souveränen Staaten üblich sind.

Nicht mehr klein und nicht mehr fein?

Nach der Wahl Gustav Heinemanns zum Bundespräsidenten fühlte sich die FDP als David der deutschen Innenpolitik, der dem bisher als unbesiegbar geltenden CDU-Goliath die erste ernsthafte Niederlage beigebracht hatte.

Ärger mit den Befragern

Im Wahljahr sind die Meinungsforscher den Parteien doppelt willkommen – sofern sie gute Botschaft bringen. Vom Baume der demoskopischen Erkenntnis möchten sich die Politiker stets nur die für sie süßesten Früchte pflücken, um die Wähler anzulocken.

Amerika setzt auf Pompidou

Für Amerika ändert sich durch General de Gaulles Rücktritt im Augenblick nichts, auf längere Sicht jedoch sehr viel. Er schafft die Voraussetzungen für ein neues Gesamtbild Westeuropas und könnte jene Ideen fördern, die Präsident Richard Nixon und sein Chefberater Henry Kissinger vom künftigen Verhältnis Amerikas zu Europa haben.

Der Kronprinz liegt vorn

Wie wird man die Lage meistern, die sich aus einem negativen Sieg all der verschiedenen, widersprüchlichen, versprengten Lager der Opposition ergibt, mit ihrem unvermeidlichen Rückfall in das Dickicht von Ehrgeiz, Illusionen, Kuhhandel und Verrat?" So fragte General de Gaulle in seiner letzten Fernsehansprache, drei Tage vor seinem Sturz.

Kummer mit den Kolchosen

Vier Jahre lang haben einhundert Ökonomen, Agronomen, Ideologen, Planer und Politiker gebraucht, um in einundsechzig Paragraphen eine neue Mustersatzung für die Kollektivwirtschaft in der Sowjetunion zu Papier zu bringen und ihren Entwurf schließlich durch das Zentralkomitee zu steuern.

Militante Pazifisten

Nie war die Zahl der Kriegsdienstverweigerer so hoch wie in den letzten Monaten, nie wurden die Büros der großen Pazifistenverbände – Internationale der Kriegsdienstgegner (IdK) und Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK) – von ratsuchenden Soldaten und Schülern so häufig aufgesucht – da droht der VK sich selbst zu zerfleischen.

Djilas: ‚Wenn ich ein Amt hätte‘

Ein seltsamer Kontrast: das Kaiser-Franz-Joseph-Porträt auf der Seidentapete im roten Salon des Wiener Sacher-Hotels und darunter, blaß und im khakifarbenen Hemd, der einstige Revolutionär, Partisan, Vizepräsident und politische Häftling Jugoslawiens – Milovan Djilas.

Wolfgang Ebert:: Friedenstest

"Ja, eine ihrer besten. Statt der Herbst- oder Wintermanöver gibt es jetzt die wöchentlichen Manöver. Damit ist die Rote Armee so ausgelastet, daß sie überhaupt nicht mehr imstande wäre, auch nur einen vierten Atomschlag zu landen, geschweige einen ersten, auf den ja die ganze Raketenabwehr-Anlage der Amerikaner zurückgeht.

Mao und die Seinen

Nicht weniger als 24 Tage haben Chinas Kommunisten in Peking getagt. Sei es, daß dieser Parteikongreß so lange dauerte, weil hinter den verschlossenen Türen doch vielerlei Gegensätze ausgetragen wurden, sei es, weil (wie andere Beobachter meinen) das umständliche Wahlverfahren viel Zeit in Anspruch nahm – immerhin steht fest: Mao und seine Getreuen haben gesiegt.

Was tun mit den Chinesen?

Die Russen reden jetzt offen von der Möglichkeit eines Krieges mit China – offener jedenfalls als zu irgendeinem früheren Zeitpunkt und viel direkter als selbst während der Zusammenstöße am Ussuri vor zwei Monaten.

Der Premier des Papstes

Mit der Ernennung des Franzosen Jean Villot zum päpstlichen Staatssekretär demonstriert Paul VI., daß die katholische Kirche nicht länger eine "römische" oder "italienische", sondern eine universale Kirche ist.

Ein Stoß ins Leere

Die von Willy Brandt beharrlich geforderte "abschließende Würdigung" des Atomsperrvertrages durch das Kabinett – eine verbrämte Aufforderung zum Beschluß über die deutsche Unterschrift – rückt in immer weitere Ferne.

Forschers Klage

Die Präsidenten der Forschungsgemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Rektorenkonferenz sehen schlimme Gefahren für die Hochschulforschung heraufziehen.

Kein Geld für Rebellen

Der Rotstift ist gespitzt: Die Bundesregierung hat angekündigt, daß sie bei rund dreißig Studenten- und Jugendorganisationen die Bilanzen prüfen will.

"I am going on!"

Ein halbes Wochenende lang haben sich Teile der Labourfraktion des Unterhauses ausgemalt, wieviel besser es unter einem anderen "Leader" zugehen könnte.

Verdient - um wen?

Nicht dem Nazi-Regime, sondern dem Vaterland habe ich gedient." Diesen Satz, einst von ihm selbst zur Rechtfertigung vor den Nürnberger Richtern gesprochen, hätte sich Franz von Papen sicher gern als Nachruf gewünscht.

Reden, Raketen, Proteste, Verbote...

Zum erstenmal seit dem Kriegsjahr 1944 hat in der sowjetischen Hauptstadt eine entmilitarisierte Mai-Parade stattgefunden. Statt moderner Waffen und zackiger Marschkolonnen defilierten zwei Millionen Moskauer Bürger vier Stunden lang über den Roten Platz – Fähnchen und Blümchen schwenkend.

Wilson stoppte seine Gegner

Die letzte Krise war eben abgeklungen, da drohte der Labour Party bei Wochenbeginn bereits eine neue Zerreißprobe: Der Minister für soziale Sicherheit, Richard Crossman, kündigte an, daß sich die Kosten des Nationalen Gesundheitsdienstes für Brillen und Zahnersatz um 25 Prozent erhöhen würden.

Pilsen trotzt den Sowjets

Zu Beginn der Woche, in der die ČSSR des Prager Aufstands gegen die nationalsozialistische Besetzung gedachten, äußerte KP-Chef Husak die "Hoffnung, innerhalb kurzer Zeit eine wirklich normale Atmosphäre zu erreichen".

Chancen für Pompidou

Die französische Linke hat den Rücktritt von Staatspräsident de Gaulle bislang nicht zu nutzen gewußt.......................

Wende in Vietnam?

Der steigenden Flut von Spekulationen über einen unmittelbar bevorstehenden einseitigen Truppenabzug aus Vietnam und dem wachsenden Druck der amerikanischen Öffentlichkeit hat das Weiße Haus am Montag ein offiziöses Dementi entgegengesetzt.

Erfolg für Ostberlin

An der Spitze einer "großen Regierungsdelegation" ist am Dienstag der DDR-Außenminister Winzer in Bagdad eingetroffen, um mit der irakischen Regierung die Formalitäten des beabsichtigten Botschafteraustausches auszuhandeln.

Dokumente der ZEIT

Man spricht viel von Europa, und seit zwanzig Jahren streiten sich die Regierungen über die Konzeption Europas, über seine geographischen Grenzen, über seine äußeren Bindungen, über seine möglichen Institutionen .

Sturmzeichen über Nahost

Wegen der drohenden Kriegsgefahr im Nahen Osten hat UN-Generalsekretär U Thant zum zweitenmal in zwei Wochen warnend seine Stimme erhoben.

Der letzte Heimarbeiter

Schon seine äußere Situation ist ungewöhnlich – ungewöhnlich anachronistisch. Andere verlassen morgens das Haus, eilen ins Amt, ins Büro, ins Geschäft.

Wünsche auf Rädern

Peter Schneider, unter den jungen deutschen Literaturkritikern einer der unruhigsten und gescheitesten, bis er diese allerdings fragwürdige Beschäftigung leid bekam, sich in die ideologische Arbeit für die APO zurückzog und der übrigen Öffentlichkeit erst wieder in Erinnerung brachte, als er – etwas verspätet, denn gemeint war sein früheres Ich – vor einigen Wochen einen der Berliner Kunstpreise entgegennahm und dabei im Charlottenburger Schloß ein kleines Saalgemenge auslöste ("Kohlen her!") – Peter Schneider steuerte zu dem neuesten Heft des Kursbuches nicht nur eine Beilage auf braunem Packpapier bei, in der er den Künstlern die Wahl zwischen agitatorischer und propagandistischer Kunst übrigläßt, sondern auch einen längeren und jedenfalls sehr bedenkenswerten Aufsatz über die Verstümmelungen des Menschen, der die Phantasie für die Weltrevolution mobilisieren will.

Aufbruch aus der Exklusivität

Ingeborg Drewitz, Vizepräsidentin des westdeutschen PEN-Clubs, fand in dem ZEIT-Bericht über die diesjährige Generalversammlung zu viel von "jener Traurigkeit, die einen beim Nachhausefahren überfällt".

Zahlenspiele um Heine

Seit kurzem ist in westdeutschen Zeitungen von einer beginnenden Heine-Renaissance die Rede. Die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Allgemeine und andere Blätter äußerten sich in diesem Sinne.

Die Hochschule der Räte

Fünfzig Jahre nach dem blutigen Scheitern der Münchner Räterepublik wird zum erstenmal ernst gemacht mit einem Plan, der schon damals in die Tat umgesetzt werden sollte: der Reform der deutschen Hochschule.

Die "Zauberflöte" ist doch spielbar

Nicht immer entspricht dem Ruhm und der zweifellosen Beliebtheit eines Meisterwerks auch eine genauso gute Aufführbarkeit. "Don Giovanni", "Zauberflöte" und "Carmen" zum Beispiel gehören gewiß zu den populärsten und großartigsten Stücken der Opernliteratur; nur wird beinahe jede Darbietung dieser angeblichen Reißer zum sanften Reinfall oder, günstigstenfalls, zum Remis.

Aus dem Irrgarten

Wer mit einer Sache nicht zurechtkommt, läßt – das klingt dann überzeugender – eine Celebrität die Schwierigkeiten erklären.

Solo für einen Streicher

Da weiß der Hamburger Zuschauer Fritz Aden jedoch anderes zu berichten. Er besuchte eine Vorstellung von "Rameaus Neffen" und ging keineswegs unberührt und unverändert nach Hause.

ZEITMOSAIK

Wenn die Phantasie aus der Gesellschaft so vollständig vertrieben ist, daß die Kunst zur Vertretung der Bürokratie im Reich der Einbildung wird, dann müssen die Wünsche und Phantasien ihre Form als Kunst sprengen und sich die politische Form suchen.

Zicke-Zacke und die Folgen: Zicke-Zacke und die Folgen

Dieses ist geschehen: Die FAZ brachte am 29. April einen Beitrag von Wanda von Baeyer-Katte, der "Erfahrungen und Überlegungen nach dem Heidelberger Theaterskandal" lieferte (unter dem Titel: "Provokation – und was dann?").

Kunstkalender

Der örtliche Kunstverein war in den letzten Jahren nicht viel mehr als ein blinder Fleck im Münchener Kunstleben, seine Aktivität allenfalls eine Erwähnung im Lokalteil wert.

Geläutert im Morgenlicht

Was für Peter Weiss der "Marat/Sade" ist, das ist für Edward Albee das Vier-Personen-Stück "Wer hat Angst vor Virginia Woolf"? Beide Stücke markieren für ihre Autoren den Durchbruch zum Welterfolg, beide stehen dabei keineswegs am Beginn eines dramatischen Œuvres; sowohl der "Marat/Sade" wie die "Virginia Woolf" markieren einen Schnitt- und Scheitelpunkt im Werk ihrer Verfasser – und, so verschieden die beiden Dramen auch sind, sie sind beide geeignet, die falschen Schlüssel für das Verständnis ihrer Autoren zu liefern.

In Schubladen gekramt

Bei jedem Romancier kommt die Zeit, da seine Feder ins Stocken gerät und er, um den dünneren Fluß der Produktion auszugleichen, in seinen Schubladen herumzukramen oder gar auf den Dachboden zu steigen und alte Koffer aufzuschließen beginnt.

KRITIK IN KÜRZE

"Die Nachtschwester", von Marianne Becker. Die sechzigjährige Nachtschwester Luise erfährt beim Augenarzt, daß sie erblinden wird.

Feierliche Undeutlichkeiten

Die Fairneß erfordert es, mit zwei Feststellungen zu beginnen. Erstens: Dieter Wellershoff ist ein ernster und ein fähiger Mann, ein Verlagslektor, Herausgeber und Essayist, dem allerlei Verdienste nachzurühmen sind.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

"Hommage à Charles Münch" (Maurice Havels "Bolero – Rapsodie Espagnole – Daphnis et Cloe II – Klavierkonzert – Pavane" und Arthur Honeggers "Sinfonie Nr.

Informiert das Theater?

Um Günter Wallraff und dessen Betriebsreportagen hat es vor kurzem einigen Wirbel gegeben, als der junge Autor mit einem Förderungsbeitrag des Großen Staatspreises von Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wurde.

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