Deutschlands zweitgrößter Elektrokonzern, AEG-Telefunken, steuert Expansionskurs. Dabei wird doppelgleisig gefahren. Einmal baut der Vorstand vorhandene Kapazitäten aus, zum anderen erwirbt er Kapazitäten durch Übernahme Von Unternehmen, die sich in das Gesamtkonzept der Gruppe einfügen lassen. Für 1969 wird ein Umsatz von 7 Milliarden Mark angesteuert, also eine Umsatzsteigerung von 20 Prozent. Davon kommen 12 Prozent aus der Erweiterung eigener Kapazitäten und 8 Prozent aus dem Erwerb heuer Beteiligungen. Die Aufträge für die angestrebte Expansion liegen vor. Schwierigkeiten bereitet der auf über 80 Prozent gestiegene Ausnutzungsgrad der Kapazitäten. Eine weitere Steigerung ist meist von der Arbeitskräfteseite her ausgeschlossen.

Nun sollte man meinen, daß es in dieser Situation gelingen müßte, die Preise anzuheben. "Im laufenden Jahr gibt es bei uns noch keine Preiserhöhungen. Die Preise auf dem Investitionsgütersektor sind hart umkämpft und Konsumgüter liegen noch unter leichtem Preisdruck", hieß es auf der AEG-Pressekonferenz. Dennoch rechnet der Vorstand mit einem weiteren Gewinnanstieg um etwa 10 Prozent. Damit wird die Gewinnexplosion, des Jahres 1968 natürlich längst nicht wieder erreicht werden, die den Gewinn je Aktie von 11,50 auf 15 Mark steigen ließ. Aber dafür waren Sondergründe maßgebend, die 1969 fortfallen. Zu nennen sind: bessere Kapazitätsausnutzung, erfolgreiche Rationalisierung in der Flaute und das insgesamt stabiler gewordene Preisniveau.

Finanziell ist die AEG für ihre Expansion gerüstet. Das ist schon allerhand, wenn man erfährt, daß die Gruppe für 500 Millionen Mark investieren will und schließlich auch für die Umsatzausweitung vorgesorgt werden muß. Das Geld aus der vorgeschlagenen Wandelanleihe wird nur vorsorglich in die Kasse getan. "Man muß den Kapitalmarkt dann in Anspruch nehmen, wenn er ergiebig ist", eine vernünftige Philosophie, die allerdings vielen großen Konzernen noch fremd ist. Auch in dieser Hinsicht ist die AEG modern geworden. Die kritischen Jahre liegen hinter dem Unternehmen. "Wir haben jetzt das Gefühl, daß uns nicht mehr jeder kühle Luftzug umwerfen kann", meinte Finanzchef Semler selbstbewußt. K. W.