Fast lockt einen das Programmheft der Württembergischen Staatstheater auf eine falsche Fährte. Und fast tut dies das Stück auch. Sein Autor: der junge Engländer John Hopkins. Sein Titel: "Diese Geschichte von Ihnen." Die Handlung, auf eine Kürzestformel gebracht: Ein Polizist prügelt bei einer Vernehmung einen Verhafteten zu Tode, der vielleicht, vermutlich, höchstwahrscheinlich ein gesuchter Sexualverbrecher ist, einer, der sich an kleine Mädchen ranmacht.

Ein Thema des Stücks könnte sein, daß die Polizei ihre Gewalt mißbraucht, daß nur die Uniform manchen Polizisten vom – Verbrecher trennt, daß der Triebmechanismus, der den einen zum Morden, dem, der den anderen zum Jagen der Mörder treibt, fatal ähnelt.

Ein anderes Thema des Stücks könnte darin gesucht werden, daß unsere Moralinstitutionen, also vor allem die Ehe, so beschaffen sind, daß sie in uns ein Übermaß an Frustrationen und Aggressionen aufspeichern. Das entlädt sich dann nicht nur im Verbrechen stellvertretend für die Gesellschaft, sondern auch in der Bestrafung des Verbrechens offenbart sich noch das gleiche Leiden. Das momentane Schlüsselwort dafür liefert der Buchtitel von Arno Plack: "Das Böse und die Gesellschaft."

Ein latentes drittes Thema: auch dadurch, daß man beruflich nicht Karriere macht, wird man aggressiv aufgeladen, auch gesellschaftliche Versagungen schlagen in Brutalität um, drohen zumindest es zu tun.

Ist Hopkins Stück nun ein gutes Stück? Ich weiß es nicht. Es ist auf jeden Fall irritierend genug, weil es den Modell-Erkenntnissen von Psychologie und Soziologie gleichzeitig folgt und doch nicht folgt, weil es vieldeutig ist und den Zuschauer immer wieder aus allzu bequemen Aha-Reaktionen aufschreckt.

Ein Problem des Stücks könnte sein, daß es, um Brutalität anzuprangern, Brutalität in einem für mich bisher auf deutschen Bühnen unbekanntem Maße vorführt.

Im ersten Akt liefert sich der Polizeisergeant mit seiner Frau eine Zimmerschlacht, bei der nicht nur die Nippessachen zersplittern, sondern bei der man auch Angst hat, die Schauspieler würden tatsächlich Schaden an ihren Körpern nehmen.