Manche empfanden "Es" als eine Zumutung, andere sprachen von einem Skandal. Vielen bot "Es" willkommene Gelegenheit zum Spott, zumal da drei Versuche fehlschlugen, "Es" in die Senkrechte zu befördern. Einige wenige sollen bei seinem Anblick in Verzückung geraten sein, vor allem, wenn "Es", von Scheinwerfern angestrahlt, gespenstisch in die Nacht ragte...

Ohne Zweifel war "Es", die 70 Meter hohe Monumentalplastik des Amerikaners Christo Javacheff, das meistbeachtete, meistdiskutierte und meistphotographierte Kunstwerk der 4. documenta. Niemand blieb der Anblick des "Dings", der "Bratwurst", des "Riesenwals", des "Superphallus" oder wie das inoffizielle Wahrzeichen der 4. documenta auf dem Rasen vor der Kasseler Orangerie auch, immer apostrophiert worden sein mag, erspart.

Man wird es dem Künstler schwerlich verdenken können, wenn er die Erinnerung an die – nach Metern – zweifellos "größte Skulptur des Jahrhunderts" wachzuhalten und die Kosten (von rund 125 000 Mark) für die Herstellung und Errichtung seines Monuments, die er größtenteils aus eigener Tasche bezahlt hat, wieder hereinzubringen versucht. Ein gutes halbes Jahr, nachdem Christo die Luft aus seiner Riesenplastik herausgelassen und die 30 Zentner schwere Polyäthylen-Hülle sorgfältig verpackt hat (womöglich findet sich doch noch ein Sammler, der bereit ist, 800 000 Mark dafür zu zahlen), feiert das Wahrzeichen der documenta Auferstehung. Und zwar gleich hundertfach, freilich in bescheideneren (Aus-)Maßen.

Die Kölner Galerie "Der Spiegel", die auf dem Feld der "multiplizierten" Kunst Pionierarbeit geleistet hat, hat es unternommen, das "5600 cubicmeter package", wie die offizielle Bezeichnung der Christo-Monumentalplastik lautet, in Miniaturformat (etwa 60 mal 5 Zentimeter) herauszubringen, und zwar in einer Auflage von hundert Exemplaren, signiert und numeriert. Bei der Miniausgabe der "Maxi-Plastik" handelt es sich um die Vervielfältigung eines von mehreren Modellen, die Christo seinerzeit für seine Superplastik angefertigt hat.

Der Künstler hat es selber übernommen, um einen Holzkern herum eine mattsilbrige Plastikfolie zu wickeln und – in der Art des "Originals" – mit Kunststoffäden einzuschnüren. Insofern unterscheiden sich die Miniaturen von den meisten "Multiples" der Galerie Der Spiegel, die normalerweise nach Angaben der Künstler von den Werkstätten der Galerie selbst hergestellt werden.

Das Portofolio, in dem das Christo-Multiple angeboten wird, enthält ferner eine mehrfarbige signierte Serigraphie (Siebdruck) des Kasseler Monuments, weiter eine mehrfarbige signierte Serigraphie "Le mur de tonneaux" sowie elf signierte Offsets von elf anderen "Monumenten", mit denen sich Christo inzwischen einen Namen als "Verpackungsfetischist" gemacht hat.

Dem Portofolio ist außerdem eine grüne Filzdecke beigefügt, die eine Illusion der Kasseler Karlsaue vermitteln soll, die dem Christo-Monument seinerzeit als "Podest" gedient hat.

Das Portofolio der Galerie Der Spiegel, das besonders sorgfältig hergestellt ist, hat, soweit sich erkennen läßt, nur einen "Schönheitsfehler": Es kostet (voraussichtlich) 2800 Mark. Das ist ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, daß es ursprünglich in der Absicht der "Erfinder" multipler Kunst gelegen hat, zeitgenössische Kunst unter Ausnutzung der kostensparenden Möglichkeiten serieller Herstellung zu Preisen auf den Markt zu bringen, die auch für den weniger bemittelten Sammler erschwinglich sind, b