Zu Beginn der Woche, in der die ČSSR des Prager Aufstands gegen die nationalsozialistische Besetzung gedachten, äußerte KP-Chef Husak die "Hoffnung, innerhalb kurzer Zeit eine wirklich normale Atmosphäre zu erreichen". In der tschechoslowakischen Hauptstadt wurde das als Hinweis auf einen baldigen Abzug der Sowjettruppen verstanden, den Husak auf der letzten Comecon-Tagung Ende April in Moskau ausgehandelt haben könnte. Moskau soll Prag damals außerdem den dringend benötigten Wirtschaftskredit von 2,2 Milliarden Mark in konvertibler Währung für den Fall in Aussicht gestellt haben, daß sich die Verhältnisse in der Tschechoslowakei völlig "normalisieren".

Davon kann freilich noch nicht die Rede sein. Das Prager Parteiorgan "Rude Pravo" berichtete am Wochenanfang von anti-kommunistischen Demonstrationen in Pilsen, zu denen es anläßlich des 24. Jahrestages der Befreiung durch amerikanische Truppen gekommen sein soll. Ein anonymer Gymnasiallehrer berichtete in "Rude Pravo" von einer starken antisowjetischen Stimmung an den Schulen, wo die Schüler noch immer Anstecknadeln mit dem Namen des abgesetzten Parteichef Dubčeks trügen.

Husak versucht unterdessen, zwischen den Wünschen der Sowjets und den Bedürfnissen der Tschechoslowaken zu vermitteln. Am Montag polemisierte er gegen die "anti-sozialistischen, rechtsgerichteten Kräfte", räumte jedoch ein, "daß auch die linken konservativen bürokratischen Extreme uns nichts Gutes bringen".